EM-Qualifikation : Tschechien blamiert DFB-Team

Die DFB-Elf hat in München mit 0:3 gegen Tschechien verloren - das damit ebenfalls das Ticket für die EM-Teilnahme gelöst hat. Wer am Ende in der Gruppe vorne steht, ist nun völlig offen.

Klaus Bergmann,Jens Mende[dpa]
Podolski
Lamentieren hilft nicht: Die DFB-Elf ist gegen Tschechien chancenlos. -Foto: dpa

Herber Rückschlag für Deutschlands Fußball: Nur vier Tage nach der vorzeitig gesicherten Endrundenteilnahme hat die Vorfreude auf die Fußball-EM 2008 mit der höchsten Niederlage in bislang 72 Qualifikationsspielen einen unerwarteten Dämpfer erhalten. Beim 0:3 (0:2) gegen die nun ebenfalls qualifizierten Tschechen verspielte die deutsche Nationalmannschaft in München nicht nur den angestrebten vorzeitigen Gruppensieg, sondern auch Kredit bei den zuletzt so verwöhnten Fans. Die 66.000 Zuschauer in der ausverkauften Münchner Arena quittierten die erste Pflichtspiel-Niederlage unter Bundestrainer Joachim Löw und die schlechteste deutsche Länderspielleistung seit dem 1:4 in Italien im März 2006 mit einem lauten Pfeifkonzert.
      
Libor Sionko (2. Minute), Marek Matejovsky (23.) und Jaroslav Plasil (63.) erzielten die Tore für die überlegenen Tschechen, die sich mit dem klaren Erfolg für die EM in Österreich und der Schweiz qualifizierten und wegen des besseren direkten Vergleichs am Ende in der Gruppe D vor dem DFB-Team stehen können. Die Löw-Elf kassierte die erste Heimniederlage in einer EM-Qualifikation seit fast 24 Jahren und die höchste Heimpleite seit dem ebenfalls in München erlittenen 1:5 gegen England im September 2001. Den Gruppensieg kann sie auch mit Siegen in den verbliebenen Spielen gegen Zypern (17. November/Hannover) und Wales (21. November/Frankfurt) nun nicht mehr aus eigener Kraft schaffen.

Jansen: "Dürfen nicht alles niederreden"

Nach zuletzt sechs Spielen ohne Niederlage zeigte sich gegen einen Kontrahenten der Güte Tschechiens, dass sich die vielen Ausfälle nicht auf Dauer problemos kompensieren lassen. Ohne die Stammkräfte Michael Ballack, Bernd Schneider, Jens Lehmann, Phillip Lahm und Miroslav Klose fehlte im Vergleich zum 2:1-Sieg in Prag im März, dem wohl besten Spiel der Ära Löw, Präzision und Durchschlagskraft. Kollektiv nahm sich das DFB-Team eine Auszeit. Gerade aber Torsten Frings und Bastian Schweinsteiger konnten in der Mittelfeldzentrale nicht die nötigen Akzente setzen.

Löw versuchte, mit einer offensiven Aufstellung die Zeichen wieder auf Angriff zu stellen. Bayern-Stürmer Lukas Podolski konnte neben Kevin Kuranyi die Bewährungschance in seiner Heimarena nicht nutzen, erhielt aber auch kaum Unterstützung aus dem Mittelfeld, in dem David Odonkor und Piotr Trochowski über die Außenbahnen für Druck hätten sorgen sollen. Erstmals in seiner Amtszeit ging das Konzept von Bundestrainers Löw nicht auf. Gleich zu Beginn war der Spannungsabfall nach der geglückten Qualifikation deutlich zu spüren - und wurde von den Tschechen konsequent bestraft.

"Ich denke, dass wir heute nicht die beste Einstellung hatten. Wir hatten uns viel vorgenommen, aber schon nach der 2. Minute das erste Mal geschlafen. Wir hatten nach dem 2:0 nicht die Kraft, das noch umzubiegen", sagte Kapitän Torsten Frings. Marcell Jansen zeigte sich ähnlich kritisch, wollte aber die Niederlage auch nicht überbewerten. "Wir haben keine gute Leistung gezeigt. Aber wir dürfen jetzt nicht alles niederreden", sagte der Münchner Verteidiger.

Koller immer wieder geschickt in Szene gesetzt

Nach einem Fehlpass von Schweinsteiger nutzte Tschechiens Stürmerriese Jan Koller die missglückte deutsche Abseitsfalle aus und spielte Torschütze Sionko clever frei. Dem schnellsten deutschen Gegentor seit dem WM-Finale 1974 gegen die Niederlande folgte aber keine Trotzreaktion, sondern weiter zuletzt ungekannte Fehlpässe und Konzentrationsmängel.

Die ohne den angeschlagenen Spielmacher Tomas Rosicky und ohne den Hamburger David Jarolim angetretenen Gäste setzten immer wieder Koller geschickt in Szene. Der Ex-Dortmunder bediente per Kopfball auch Matejovsky, der Frings und Christoph Metzelder schlecht aussehen ließ und beim zweiten Treffer dem erneut machtlosen und bedauernswerten Lehmann-Ersatz Timo Hildebrand im deutschen Tor keine Chance ließ. Erstmals unter Löw musste die deutsche Elf somit mehr als ein Gegentor hinnehmen.

Kuranyi vergibt beste Möglichkeit

Schweinsteiger gab mit einem Solo und strammen Schuss (25.) ein Zeichen für eine zumindest engagiertere Leistung, aber das tschechische Tor kam nur selten in Gefahr. Die beste Möglichkeit vergab Kuranyi (43.), der nach einer der wenigen geglückten Trochowski-Flanken freistehend am Tor vorbei köpfte und somit die mögliche Ergebniskorrektur kurz vor der Pause vergab. Die Zuschauer schickten das DFB-Team schon mit einem Pfeifkonzert in die Kabine.

Für die zweite Halbzeit brachte Löw Clemens Fritz und Simon Rolfes für Metzelder und den emsigen aber uneffektiven Trochowski. Die Tschechen wurden nun konsequenter gestört und Schweinsteiger (50.) spitzelte den Ball nach einem Frings-Freistoß knapp am Tor vorbei. Genauer traf Plasil, der Friedrich wie einen Anfänger stehen ließ und einen Konter mustergültig zum 3:0 abschloss. Der Hauch eines Aufbäumens gegen die Niederlage war nun auch verflogen und die Pfiffe gegen das DFB-Team wurden immer lauter.