Embryonale Stammzellforschung : Bush legt Veto ein

George W. Bush hat sein Veto gegen eine vom Kongress beschlossene Ausweitung der embryonalen Stammzellenforschung eingelegt. Hillary Clinton kritisierte, Bush behindere den Fortschritt.

Stammzelleinlagerung
Alleskönner Stammzelle. -Foto: ddp

WashingtonUS-Präsident George W. Bush hat sein Veto gegen eine vom Kongress beschlossene Ausweitung der embryonalen Stammzellenforschung eingelegt. Bush wolle zudem die Regierung anweisen, alternative Forschungen zu unterstützen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, am Mittwoch in Washington. Die Gesetzesvorlage sieht vor, die äußerst strengen Beschränkungen für die staatliche Förderung der Forschung an embryonalen Stammzellen in den USA zu lockern. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bush ein ähnliches Vorhaben des Kongresses mit seinem Veto zu Fall gebracht. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton kritisierte die Entscheidung Bushs.

Es gebe bereits große Fortschritte bei der Forschung mit Stammzellen von Erwachsenen und Kindern sowie aus Nabelschnurblut, bei der der Spender nicht geschädigt werde, betonte Bush. Diese Art der Forschung respektiere die menschliche Würde und stehe im Einklang mit "unseren moralischen Werten".

Clinton kritisiert Bush

Hillary Clinton kritisierte dagegen, mit seinem Veto behindere Bush den wissenschaftlichen Fortschritt. "Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie der Präsident Ideologie vor den Fortschritt und Politik vor die Bedürfnisse unserer Familien stellt", sagte die New Yorker Senatorin.

Die embryonale Stammzellenforschung gehört zu den umstrittensten gesellschaftspolitischen Themen in den USA. Bush folgt der Argumentation des konservativ-religiösen Lagers: Die staatliche Unterstützung der Forschung an embryonalen Stammzellen sei abzulehnen, weil dadurch menschliches Leben in Form von Embryonen vernichtet werde. Die Befürworter verweisen hingegen darauf, dass diese Forschung Fortschritte im Kampf gegen bisher unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs verspricht.

Drittes Veto in sechs Jahren

Der Kongress in Washington hatte am 7. Juni mit großer Mehrheit für die Ausweitung der ethisch umstrittenen Stammzellenforschung gestimmt. Der Präsident hatte daraufhin sein Veto angekündigt, weil er nicht akzeptieren könne, dass "erstmals in unserer Geschichte die Steuerzahler die mutwillige Zerstörung menschlicher Embryonen unterstützen" sollten. Es ist das dritte Mal in seiner sechsjährigen Amtszeit, dass Bush von seinem Veto-Recht Gebrauch macht.

Die derzeitige Rechtslage lässt nur die staatliche Unterstützung für Forschung an jenen Stammzellen-Linien zu, die vor August 2001 aus menschlichen Embryos gewonnen wurden. Damals hatte Bush den Stopp der staatlichen Förderung der Stammzellenforschung verordnet. Wissenschaftler argumentieren, dass in den USA wegen dieser strikten Begrenzungen nur 20 Stammzellenlinien für die Forschung bereitstünden. Sie fürchten, dass die USA auf diesem Gebiet weit hinter die globale Forschungsentwicklug zurückfallen könnten. (mit AFP)