EnBW : Claassen verabschiedet sich mit Rekordhalbjahr

Mit einem bisher unerreichten Ergebnis konnte sich der scheidende EnBW-Vorstand Utz Claassen verabschieden. Die Gerüchte über seinen unfreiwilligen Abschied wies Claassen zurück.

EnBW Utz Claassen
Utz Claassen: Scheidet freiwillig aus dem Amt. -Foto: dpa

KarlsruheDer drittgrößte deutsche Stromkonzern EnBW hat wenige Wochen vor dem Abschied seines Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen für das erste Halbjahr 2007 ein Rekordergebnis präsentiert. Der Unternehmenschef wies zugleich Gerüchte über einen angeblichen Streit mit Aktionären zurück. "Jeder, der versucht, einen Streit hineinzuinterpretieren, liegt nachweisbar falsch", sagte Claassen in Karlsruhe. Angaben zu seinen Zukunftsplänen machte der Energiemanager nicht. Claassen steht der EnBW seit 2003 vor und wird seinen Posten zum 30. September vorzeitig an den Eon-Manager Hans-Peter Villis abgeben.

Nach Angaben Claassens hat der Konzern im ersten Halbjahr bei sinkenden Schulden den Umsatz um 14,9 Prozent auf 7,38 Milliarden Euro gesteigert. Der Konzernüberschuss wuchs um rund ein Viertel oder 26,5 Prozent auf 740,2 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Ertragssteuern und Zinsen (Ebit) verbesserte sich um 3,2 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro. "Damit hat die EnBW im ersten Halbjahr bei allen wesentlichen Ertragskennzahlen erneut historische Höchstwerte erreicht", sagte Claassen.

Steuergeschenke im zweiten Halbjahr

Die Gesamtbilanz für das laufende Jahr dürfte nach EnBW-Angaben in der zweiten Jahreshälfte noch versüßt werden durch einen Sonderertrag von 400 Millionen wegen der bevorstehenden Steuerreform und einem reduzierten Steuersatz.

Zu Perspektiven für das Gesamtjahr machten die EnBW-Verantwortlichen keine Angaben. Claassen sagte lediglich, er sei "aus heutiger Sicht zuversichtlich, was das Gesamtjahr und die Planerfüllung angeht". Bei der letzten Jahresbilanz im vergangenen Februar hatte der Konzern für 2007 mit einem leicht steigendem Ertrag gerechnet.

Claassen geht freiwillig

Vehement wies Claassen Gerüchte über einen unfreiwilligen Abgang aus der EnBW-Chefetage zurück. "Gehen Sie davon aus, dass ich unfreiwillige Entscheidungen nicht treffe", sagte der 44-Jährige. Er habe "zu keinem Zeitpunkt" Anlass gehabt, an seiner Wiederbestellung zu zweifeln und habe sich "aus strukturellen, professionellen, persönlichen und familiären Gründen" entschieden zu gehen. Wiederholt hatten Medien über unzufriedene Aufsichtsratsmitglieder und Großaktionäre spekuliert.

Claassen will sich auch künftig nicht aus der Energiepolitik heraushalten: "Man kann nicht von einem Tag auf den anderen die energiewirtschaftliche Erfahrungswelt überwinden". Seine Sorgen über die energiepolitischen Weichenstellungen in Deutschland und Europa würden auch nach dem Ausscheiden bleiben. Seinen Nachfolger, den derzeitigen Eon-Manager Hans-Peter Villis, bezeichnete Claassen nach einem ersten Telefongespräch als "menschlich sehr, sehr angenehm". (mit dpa)