EnBW : Claassens letzter Auftritt

Die letzte Bilanz-Pressekonferenz von EnBW-Chef Utz Claassen wurde eine Abschieds-Gala für den streitbaren Manager. Er konnte Rekordzahlen und sinkende Schulden verkünden.

Martin Oversohl[dpa]

KarlsruheEin letzter Bilanzerfolg, ein letztes Lächeln in die Blitzlichter, ein letzter Rundumschlag gegen die Berliner Politik - EnBW-Chef Utz Claassen konnte sich bei der Präsentation der Halbjahreszahlen des Energieversorgers eigentlich rundherum wohl fühlen. Doch abseits der steigenden Umsätze, wachsenden Überschüsse und sinkenden Schulden musste der 44-Jährige auch ein ums andere Mal die Verteidigungshaltung einnehmen. Denn rund um seinen vorzeitigen Abschied vom Energieriesen wurde weiter gerätselt: Geht er nun freiwillig Ende September oder wurde er von unzufriedenen Großaktionären zum Abgang gedrängt? Claassen wies alle Spekulationen vehement zurück.

Immer wieder hatten Medien in den vergangenen Wochen von deutlicher Kritik vor allem des französischen Großaktionärs Electricité de France (EdF) am Auftreten des glamourösen Energiemanagers berichtet. Auch der zweite große Aktionär, der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), soll nicht immer mit dem als "Rambo" verschrienen Sanierer Claassen einverstanden gewesen sein. Dieser will davon aber nicht wissen: "Jeder, der versucht, einen Streit mit Großaktionären hineinzuinterpretieren, liegt vollständig falsch", antwortet er gebetsmühlenartig auf die Fragen der Journalisten. Er selbst habe "zu keinem Zeitpunkt Anlass gehabt, an seiner Wiederbestellung zu zweifeln".

Vier Jahre an der EnBW-Spitze

Aber warum geht er dann, die guten Zahlen im Rücken? Noch vor einem halben Jahr hatte Claassen durchblicken lassen, er "verspüre derzeit keine Sekunde und keinen Prozent Amtsmüdigkeit". Doch Claassen zeigte sich am Mittwoch wie stets selbstsicher: "Gehen Sie davon aus, dass ich unfreiwillige Entscheidungen nicht treffe", diktiert er den Journalisten in die Blöcke. "Strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe" hätten ihn zu der Entscheidung getrieben.

Claassen schaut zufrieden auf seine vier Jahre an der Spitze des drittgrößten deutschen Stromversorgers zurück. Bevor er Ende September das Zepter an den Eon-Manager Hans-Peter Villis übergibt, zeigte er sich angesichts der Rekordzahlen in der Halbjahresbilanz "stolz auf die letzten vier Jahre und glücklich über den heutigen Tag".

Unzufrieden mit der Klimapolitik

Und natürlich nutzte Claassen auch die Gelegenheit, ein vielleicht letztes Mal in seiner Position als EnBW-Chef gegen die Politik zu wettern: Er sei "schon ein stückweit darüber besorgt", dass derzeit in Deutschland und Europa in der Energiewirtschaft und Energiepolitik "verschiedene fragwürdige, einzelne kontraproduktive und in Einzelfällen sogar ausgesprochen schädliche Weichenstellungen" vorgenommen würden, kritisierte er. Die Energiepolitik dürfe nicht nur Klimaschutzpolitik, sondern müsse auch Industrie- und Beschäftigungspolitik sein.

Mindestens ein weiteres Mal wird Claassen dennoch öffentlich als ehemaliger EnBW-Chef auftreten müssen - erneut im Blitzlichtgewitter zwar, jedoch dieses Mal unfreiwillig. Denn vom 6. November an muss sich der 44-Jährige wegen Vorteilsgewährung in der sogenannten WM-Ticket-Affäre vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten. Claassen hatte Ende 2005 sieben Landespolitikern Gutscheine für kostenlose WM-Eintrittskarten angeboten - aus seiner Sicht legale Sponsoringmittel.