Der Tagesspiegel : Ende der Angst – die Nguyens dürfen bleiben

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Altlandsberg Erst waren sie Asylbewerber, dann hing ihr Rauswurf aus Deutschland nur noch daran, wann Platz frei ist im Flugzeug nach Hanoi. Anschließend waren sie jeweils für drei Monate geduldet – so, wie im Ausländerrecht vorgesehen. Den Status „integrierte Vorzeigefamilie“ kennt das Gesetz ja nicht. Jetzt aber soll die Familie Nguyen aus Altlandsberg eine zunächst dreijährige Aufenthaltserlaubnis erhalten, wie die Härtefallkommission des Landes mitteilte. Später solle die Erlaubnis unbefristet verlängert werden. Zum ersten Mal, seit sie 1990 nach Deutschland kamen, haben die Nguyens einen sicheren Aufenthaltsstatus.

Familienvater Van Tuan mag sich nach 15 bangen Jahren noch gar nicht freuen: „Ich warte lieber, bis ich es schriftlich habe“, sagte er. Der formal notwendige Brief von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) an den Landrat von Nguyens Heimat-Kreis Märkisch Oderland war am Freitagnachmittag noch unterwegs.

Altlandsbergs Bürgermeister Ravindra Gujjula wagte etwas mehr Optimismus: „Wenn wir alles genau wissen und schriftlich haben, werden wir über ein kleines Fest für alle, die geholfen haben, nachdenken.“ Dann lacht er und sagt: „Das sind ja ganz schön viele.“ Über tausend Unterschriften hatten Bewohner des Ortes für die völlig integrierten und gern gesehenen Nguyens gesammelt. Gestartet hatten die Aktion Mitschüler des heute 12-jährigen Sohnes, der ebenso wie seine kleine Schwester hier geboren wurde.

Auch Kirche, Verbände und Politiker hatten sich für die Nguyens eingesetzt, die 1990 illegal nach Deutschland gekommen waren. 1995 wurde ihr Asylantrag abgelehnt, 2000 sollten Vater und Sohn abgeschoben werden, während die schwangere Mutter allein zurückgeblieben wäre. Das Kirchenasyl bewahrte sie vor der – formal korrekten – Abschiebung. Erst seit Februar 2005 prüft auch in Brandenburg eine Härtefallkommission Fälle wie den der Nguyens. Schönbohm hatte die Kommission jahrelang verhindert. Jetzt feiert sie ihren ersten großen Erfolg. obs

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