Energie : Gazprom plant Europas größten Erdgasspeicher

An der Grenze von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sollen bis zu fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas in eine Sandsteinschicht gepresst werden. Gazprom rechnet bereits mit einer Erweiterung.

Matthias Matern

Hinrichshagen/SchweinrichIn Mecklenburg-Vorpommern unweit der Grenze zu Brandenburg soll in den kommenden Jahren der größte unterirdische Erdgasspeicher Europas entstehen. Bei Hinrichshagen im Landkreis Müritz will die deutsche Tochter des russischen Gaskonzerns Gazprom bis zu fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas einlagern. Notwendig sei der Speicher wegen der geplanten Ostsee-Pipeline, die künftig den europäischen Markt mit russischem Erdgas versorgen soll, sagt Burkhard Woelki, Sprecher der Gazprom Germania GmbH. Mit dem eingelagerten Gas wolle das Unternehmen auf saisonbedingte Schwankungen reagieren, etwa im Winter, wenn der Verbrauch aufgrund extremer Kälte außergewöhnlich stark ansteigen sollte.

Ab voraussichtlich 2010 soll die Ostsee-Pipeline des russisch-deutsch-holländischen Konsortiums Nord Stream jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas liefern. Der Jahresverbrauch in Deutschland liegt bei rund 95 Milliarden Kubikmetern. Anlanden werde die Leitung in der Nähe von Greifswald, sagt Unternehmenssprecher Woelki. Geeignet sei Hinrichshagen wegen der Nähe zu Greifswald und der geologischen Gegebenheiten. In rund 650 Metern Tiefe befinde sich eine etwa 50 Meter starke, poröse Sandsteinschicht mit einem Fassungsvermögen von bis zu fünf Milliarden Kubikmetern Erdgas. Das hätten sowohl erste eigene Voruntersuchungen ergeben, als auch Erkundungen, die schon in der DDR gemacht wurden.

Für das rund 51 Quadratkilometer große Gelände nahe Waren an der Müritz hat sich der Konzern bereits das Bergrecht gesichert. Bis Anfang 2009 will Gazprom das Gebiet für rund 20 Millionen Euro ausführlich untersuchen lassen. „Wir gehen davon aus, dass Hinrichshagen geeignet ist, sollte sich aber zeigen, dass die oberste Erdschicht an irgendeiner Stelle undicht ist, wird nicht gebaut“, versichert Burkhard Woelki.

Dann würde das russische Erdgas vermutlich unter märkischer Krume gelagert – bei Schweinrich im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Dort vermutet Gazprom aufgrund seismischer Untersuchungen ähnliche Bedingungen wie in Hinrichshagen. „Wir betrachten Schweinrich als Reservestandort“, sagt Woelki. Weitere Erkundungen gebe es derzeit nicht.

Doch nicht nur als Alternative könnte Schweinrich ins Spiel kommen. Sollte die Nachfrage nach russischem Erdgas langfristig steigen, sei das Areal auch als Standort für einen zweiten Speicher denkbar, sagt der Gazprom-Sprecher.

Rund 420 Millionen Euro sind für den Bau des Speichers eingeplant, der 2010 oder 2011 in Betrieb gehen soll. Das Gas soll über eine Pumpstation in die poröse Sandsteinschicht gepresst werden. Für die Bauarbeiten will der Konzern vor allem auf regionale Firmen zurückgreifen. Rund 40 Arbeitsplätze sollen später entstehen. Sein Vorhaben hat das Unternehmen den Hinrichshagenern bereits auf einer Informationsveranstaltung vorgestellt.

Ortraut Buckel, Leiterin des Amtes Seenlandschaft Waren, glaubt, dass die Investition zur wirtschaftlichen Belebung der Region beitragen könnte. Allerdings werde das Projekt in der Bevölkerung sehr unterschiedlich beurteilt. Bedenken bestünden hinsichtlich des Naturschutzes, zu erwartender Lärmbelästigung oder möglicher Wertverluste für Grundstücke, die über dem Erdgasspeicher liegen werden. Zum Thema Sicherheit seien ebenfalls einige Fragen gestellt worden, sagt Gazprom-Sprecher Woelki ein. „Nach menschlichem Ermessen kann da aber nichts passieren.“

In Schweinrich dagegen ist die Stimmung nach wie vor ungetrübt. „Der Erdgasspeicher ist bei uns noch kein Thema“, sagt Ortsteilbürgermeister Armin Stutz.

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