Energie : Iran rationiert Benzin

Iran, eines der größten Erdöl exportierenden Länder, hat Benzin rationiert. Pro Monat gibt es nur noch 100 Liter für Privatleute. Aufgebrachte Fahrer protestierten in Teheran und zündetten Tankstellen an.

Iran Benzin
Wütende Autofahrer: Ausschreitungen in Teheran nach der Rationierung von Benzin. -Foto: AFP

TeheranIn Iran, einem der ölreichsten Länder der Welt, ist seit Mittwoch das Benzin für Privatautos rationiert. Wie die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf das Erdölministerium berichtete, erhalten die Iraner ab sofort pro Auto und Monat nur noch 100 Liter Benzin zum staatlich festgelegten Preis von umgerechnet rund acht Eurocent pro Liter Normalbenzin beziehungsweise 11 Cent für Super. Die Ankündigung führte in der Nacht in der Hauptstadt Teheran zu Protesten und einem Verkehrschaos, als Autofahrer versuchten, noch vor Inkrafttreten der Rationierung ihre Tanks zu füllen.

Wütende Personen zündeten in der Nacht Tankstellen in Teheran an, bewarfen Ordnungshüter mit Steinen und skandierten Slogans gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Der Besitzer einer Tankstelle in der Hauptstadt sagte, Scheiben seien eingeschlagen und Zapfsäulen zerstört worden, auf einer Hauptstraße hätten Feuer gebrannt. Seinen Schaden bezifferte er auf mehr als 5000 Euro. "Ahmadinedschad ist ein großer Lügner", empörte sich ein Taxifahrer. "Die Leute, die das entschieden haben, sollen sich ebenso für Benzin anstellen wie wir", forderte er.  In Teheran, wo rund die Hälfte der mehr als sieben Millionen Autos des Landes fahren, wurden mindestens fünf Tankstellen angezündet. Auch in anderen Städten kam es zu gewaltsamen Protesten. Am Morgen bewachten bewaffnete Polizisten die Tankstellen; es bildeten sich kilometerlange Schlangen vor den Zapfsäulen.  Hintergrund der Maßnahme sind die geringen Raffinerie-Kapazitäten der iranischen Ölindustrie.

Sechs Milliarden Euro für importierten Kraftstoff

Vielfach äußerten die Autofahrer in der Nacht ihren Unmut über die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Zu Unverständnis führte dabei vor allem die Tatsache, dass die Regierung eines der größten Erdöl exportierenden Länder zu solchen Maßnahmen greifen müsse. Wie Isna weiter berichtete, sei geplant, dass über die rationierte Menge hinaus Benzin künftig für das Drei- bis Vierfache des staatlichen Preises angeboten werden solle. Entschieden sei darüber jedoch noch nicht. In Iran ist Treibstoff nur über die so genannte "Smart Card", einen staatlichen Benzinkupon, erhältlich, die die Regierung im Kampf gegen die Energieverschwendung eingeführt hatte.

Iran als zweitgrößtes Opec-Förderland und viertgrößter Öl-Produzent der Welt, das täglich rund 4,2 Millionen Barrel Rohöl fördert, kann den stark wachsenden Bedarf im eigenen Land nur zu etwa 60 Prozent aus eigenen Ressourcen decken. Im vergangenen Jahr musste Treibstoff im Wert von fünf Milliarden Dollar (rund 3,7 Milliarden Euro) importiert werden, da im eigenen Land nicht genügend Öl raffiniert werden kann. Anfang des Monat war bereits das Benzin für Behördenfahrzeuge auf monatlich 300 Liter rationiert worden.

Die Rationierung, die um Mitternacht in Kraft trat, wurde erst am Dienstagabend überraschend bekannt gegeben. Sie sollte zunächst für vier Monate gelten. Augenzeugen zufolge reagierten einige Autofahrer äußerst aggressiv auf das Benzinlimit, das ihrer Meinung nach unzureichend ist. (mit dpa, AFP)