Energiebranche : Gewinnsprung bei Eon - Preiserhöhung bleibt

An der Bilanz des Energiekonzerns Eon kann es nicht liegen, dass die Preise für Strom erhöht werden. Das Unternehmen macht ausgezeichnete Gewinne und darf sich über einen Ergebnissprung in den ersten neun Monaten freuen.

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Eon-Chef Wulf Bernotat gibt dem Staat die Schuld an den stetig steigenden Strompreisen. -Foto: ddp

DüsseldorfBei den deutschen Stromkonzernen sprudeln die Gewinne. Wie schon zuvor Vattenfall und EnBW hat auch Eon mit glänzenden Geschäftszahlen aufgewartet. Für die ersten neun Monate dieses Jahres vermeldete Deutschlands größter Energieversorger einen zweistelligen Gewinnsprung. Der Vierte im Bunde, der Essener RWE-Konzern, dürfte am Mittwoch bei der Vorlage seiner Quartalszahlen nachziehen.

Dennoch ist die Stimmung bei den Stromriesen angespannt. Wegen der geplanten Strompreiserhöhungen stehen sie seit Wochen in einem scharfen Kreuzfeuer von Politikern, EU-Kommission, Regulierungsbehörden und Verbraucherschützern. Kartellabsprachen, Machtmissbrauch und Marktmanipulation lauten die Vorwürfe. Sogar ein Zwangsverkauf von Kraftwerken ist als Mittel gegen die steigenden Strompreise inzwischen im Gespräch.

Bernotat: Keine Quersubventionen für Strom

Die Stromkunden dürfen sich aber keine Hoffnungen machen, die Preiserhöhungen um bis zu zehn Prozent bei Eon könnten angesichts der wachsenden Milliardengewinne geringer ausfallen als geplant. Vorstandschef Wulf Bernotat erteilte einer "Quersubvention" der Strompreise bei der Vorlage der Quartalszahlen eine klare Absage. "Das ist nicht die Praxis von Unternehmen, die am Markt operieren", sagte er. Der Preis werde an der Leipziger Strombörse ermittelt, danach müsse sich auch Eon richten. Strom sei schließlich "ein ganz normales Produkt", betont der Konzernchef seit Wochen.

Zumal die zusätzlichen Gewinne nur zum kleineren Teil aus Deutschland stammten. Der Anstieg beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 12 Prozent auf bislang 7,1 Milliarden Euro resultiere zu 70 Prozent aus deutlichen Gewinnsteigerungen im Ausland, rechnete Eon-Finanzchef Marcus Schenck vor. Im Inland belasteten neben höheren Strombezugskosten die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien und der Stillstand der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel das Ergebnis.

Merkel mahnt Dialog an

Ganz unbeeindruckt zeigte sich Bernotat von der scharfen Kritik an den Stromkonzernen allerdings nicht. Die Brache habe offensichtlich ein Kommunikationsproblem. Es sei ihr "nur bedingt gelungen", den Vorwürfen mit Fakten zu begegnen. Energiewirtschaft und Politik müssten "statt der gegenseitigen Schuldzuweisungen sich wieder aufeinander zubewegen".

In den neuen Dialog, den auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) anmahnt, wird Bernotat allerdings sehr selbstbewusst gehen. "Politik und Gesellschaft brauchen uns." Von den Gewinnen des Energiekonzerns profitierten schließlich alle. 4700 neue Arbeitsplätze im vergangenen Jahr und Millionenbeträge für Kultur, Sport und soziale Projekte seien nur dank des Unternehmenserfolgs möglich. Und für die Politik hatte Bernotat noch den speziellen Hinweise, "dass wir zu den größten Steuerzahlern in Deutschland gehören". Allein von Januar bis September habe der Konzern 1,2 Milliarden Euro an Ertragssteuern abgeführt. (mit dpa)