Energiegewinnung : Solarbranche sonnt sich im Erfolg

38 Prozent aller in Deutschland hergestellten Photovoltaik-Module kommen aus Brandenburg. Eine weitere Fabrik entsteht in Forst.

Claus-Dieter Steyer

Forst - Die Sonne beschert Brandenburg einen überraschenden Spitzenplatz in Deutschland. Zwar kann die märkische Streusandbüchse nicht mit Hiddensee, Rügen und Heiligendamm konkurrieren, die derzeit die Liste der Orte mit den meisten Sonnenstunden dieses Jahres anführen. Aber bei den Produktionszahlen für Anlagen zur Nutzung der Solarenergie ist Brandenburg ganz vorne. 38 Prozent aller in Deutschland gefertigten Photovoltaik-Module zur Umwandlung von Sonnenlicht in Strom stammen inzwischen von Brandenburger Firmen. Sachsen folgt mit 28 Prozent auf Rang zwei. Rund 3000 Menschen haben in dieser Branche nach Angaben des Wirtschaftsministeriums einen Job gefunden.

Ein Ende dieser sonnigen Zeiten ist nicht in Sicht. Gestern legte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) in Forst an der deutsch-polnischen Grenze den Grundstein für eine weitere Fabrik. Die Münchner Precision Coating GmbH will in der 30 Millionen Euro teuren Produktionsstätte im nächsten Jahr großflächige Glastafeln mit Solarmodulen beschichten. Vorerst sind 50 Arbeitsplätze geplant. Die Firma will mit ihrem Produkt neue Absatzmärkte erschließen. Bislang werden die meisten Solaranlagen entweder auf Dächern oder auf großen Freiflächen ehemaliger Tagebauflächen und Truppenübungsplätze montiert; erst kürzlich begann bei Lieberose im Südosten Brandenburgs der Bau des größten Solarkraftwerkes der Welt.

Die Precision Coating GmbH will dagegen zinkoxidbeschichtete Glasflächen in einer Größe von 2,20 mal 2,60 Meter herstellen, die auch in Fassaden eingebaut werden können. Auch an Hochhäusern mit großen fensterlosen Wänden sollen sich damit völlig neue Möglichkeiten ergeben, die Sonne anzuzapfen.

Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) freut sich über die „bisher größte Investition in der Stadt“. Nach der Wende hatte Forst stark unter dem abrupten Aus für die Textilindustrie zu leiden. Nun könnte es sich sogar mit anderen Brandenburger Orten um den Titel der Solarhauptstadt streiten. Denn gegenüber der neuen Firma will die ebenfalls aus München stammende Solarglas AG für 50 Millionen Euro ein Flachglaswerk für die Herstellung von Scheiben für Solaranlagen bauen. Weitere 100 Jobs würden hier entstehen. „Das sind absolute Top-Projekte für das Land“, sagte der Vorsitzende der Zukunftsagentur Brandenburg, Detlef Stronk. Es sei eine große Freude, „diesen traditionellen Industriestandort mit der Ansiedlung von Zukunftstechnologien wiederzubeleben“.

Der Boom der Brandenburger Solarbranche hatte vor einigen Jahren in Frankfurt (Oder) begonnen, als sich die Hamburger Conergy AG die Halle der einst geplanten Chipfabrik sicherte. Inzwischen produzieren in der Stadt auch die US-amerikanische Firma First Solar und die Odersun AG. Weitere wichtige Produktionsorte sind Luckenwalde, Prenzlau und Brandenburg/Havel.

Immer mehr Anlagen werden in Brandenburg auch selbst aufgestellt. „Bis 2020 wollen wir den Anteil von Wind-, Biomasse- und Sonnenenergie von jetzt 6,2 auf 20 Prozent am gesamten Energieverbrauch steigern“, sagte Minister Junghanns mit einem zufriedenen Blick in die Sonne.

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