Energiekonzerne : Vattenfall-Chef muss um seinen Job bangen

Nur vier Monate nach dem Wechsel an der Spitze des drittgrößten deutschen Energieversorgers Vattenfall droht dem neuen Chef offenbar wieder die Ablösung. Ein Nachfolger steht wohl schon in den Startlöchern.

vattenfall Cramer
Hans-Jürgen Cramer Deutschland-Chef von Vattenfall. -Foto: ddp

BerlinDer Chef der schwedischen Muttergesellschaft, Lars Göran Josefsson, will angeblich Deutschland-Chef Hans-Jürgen Cramer entlassen, berichtete die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf Konzernkreise. Nachfolger soll der Finne Tuomo Hatakka werden, der zurzeit die polnische Vattenfall-Tochter leitet. Vattenfall sprach von Personalspekulationen und wollte den Bericht nicht kommentieren.

Streitpunkt ist offenbar, dass sich der schwedische Mutterkonzern stärker in das Geschäft seiner wichtigsten Auslandstochter in Berlin einmischen will. Die deutsche Vattenfall Europe AG steht für den Großteil des Gewinns von Vattenfall. Dem Bericht zufolge wird auch erwogen, deutsche Konzernaufgaben innerhalb der Vattenfall-Gruppe neu zu verteilen und nach Schweden oder Polen zu verlagern. Ursprünglich war für die nächste turnusmäßige Hauptversammlung von Vattenfall Europe am 7. Dezember geplant, Cramers Position aufzuwerten und vom "Sprecher des Vorstands" zu einem "Vorstandsvorsitzenden" mit entsprechend mehr Kompetenzen zu machen.

Weniger Kompetenzen nach Störfällen

Dies sei aber offenbar wegen der Zentralisierungspläne der Schweden gestrichen, hieß es in dem Bericht. Cramer sollte damit weniger Kompetenzen bekommen als sein Vorgänger Klaus Rauscher, der wegen der Kommunikationspannen rund um die Störfälle der Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel im Juli gehen musste. Josefsson macht Cramer angeblich auch zum Vorwurf, dass dieser in der für das Energiegeschäft maßgeblichen Bundespolitik bislang kaum vernetzt ist. Wegen zu großer politischer Zurückhaltung war zuletzt Beobachtern zufolge bereits RWE-Chef Harry Roels zum Rücktritt gedrängt worden.

Der Gewinn von Vattenfall Europe fiel in den ersten neun Monaten deutlich geringer aus als erwartet, unter anderem weil die Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel zeitweise stillgelegt waren. Zudem hat Vattenfall in diesem Jahr rund 200.000 Kunden an die Konkurrenz verloren. Bei einer Präsidiumssitzung des Aufsichtsrates von Vattenfall Europe am Mittwochabend habe es noch keinen offiziellen Beschluss gegen, Cramer sofort abzulösen, berichtete die "Welt" unter Berufung auf verschiedene, konzernnahe Quellen. Allerdings sei seine Zukunft fraglich geworden. Eine Entscheidung werde bis zur nächsten turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung am 7. Dezember erwartet. (mit AFP)