Energieversorger : RWE verzichtet auf Preiserhöhungen

Angesichts glänzender Zahlen im Stromgeschäft will der Energie-Riese RWE vorerst von weiteren Preiserhöhungen absehen. Beim Gewinn konnte der Konzern um 18 Prozent zulegen.

Atomkraftwerk Biblis
In die Verlängerung. Das Atomkraftwerk Biblis von RWE soll am Netz bleiben. -Foto: ddp

EssenDer Energieversorger RWE hat im ersten Halbjahr 2007 seinen Gewinn erneut gesteigert und will zunächst auf weitere Strompreiserhöhungen verzichten. Zumindest sind kurzfristig keine Erhöhungen geplant. Der Gaspreis sei sogar im Frühjahr gesenkt worden. Konzernchef Harry Roels verwies auf die enorm gestiegene Beschaffungskosten für die Stromerzeugung. Wann nun die nächste Strompreisrunde bei den Regionalgesellschaften von RWE eingeläutet wird, ist offen.

Hohe Preise hatten auch beim Essener Konzern Kundenabwanderungen zur Folge. "Wir reden aber über weniger als 100.000 Kunden, die gewechselt sind seit Anfang des Jahres", sagte Roels. Damit liege sein Unternehmen im Vergleich besser als die Branche insgesamt.

Für neue Investitionsvorhaben vor allem in Kraftwerke sieht sich der Versorger aufgrund der guten Ergebnislage bestens aufgestellt. Der Betriebsgewinn stieg um 18 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 58,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Roels hob bei der Vorlage der Halbjahreszahlen die Erwartungen für das gesamte Jahr wegen der guten Entwicklung beim Betriebsgewinn von 10 auf bis zu 15 Prozent. Der Umsatz ging unterdessen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht von 23,18 Milliarden auf 22,62 Milliarden Euro zurück, weil RWE die britischen Wassertochter Thames Water verkauft wurde. Jetzt soll noch bis Jahresende die weitere Wassertochter American Water an die Börse gebracht werden soll.

Investitionen in Kraftwerke geplant

RWE will jetzt vordringlich seine Kraftwerkskapazitäten ausbauen. So soll bis 2012 im saarländischen Ensdorf für rund zwei Milliarden Euro ein neues Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von 1600 Megawatt entstehen. Die Genehmigung solle in den nächsten Wochen bei den Behörden beantragt werden. Ein ähnliches Vorhaben schreite im westfälischen Hamm voran. Weitere Kraftwerke plant RWE in den Niederlanden und Großbritannien. Auch das Projekt zum CO2-freien Kraftwerk verfolgt RWE weiter. Wenn der rechtliche Rahmen bis 2009 stehe, werde 2010 eine Entscheidung getroffen.

Bis zu 50 Millionen Tonnen CO2 könnten bei Umsetzung aller Maßnahmen, eingeschlossen einer längeren Laufzeit des Kernkraftwerks Biblis, bis zum Jahr 2015 eingespart werden. 15 Millionen Tonnen hingen an der Entscheidung zur Kernkraft, sagte der in einem halben Jahr aus dem Amt scheidende Niederländer Roels.

Biblis soll Ende des Jahres wieder ans Netz

Der Atomreaktor Biblis soll bis Ende des Jahres wieder ans Netz gehen und damit später als noch zu Jahresbeginn angekündigt. Die Arbeiten an dem wegen falsch montierter Dübel stillstehenden Kraftwerk kämen gut voran, sagte Roels. Die Belastungen durch den Ausfall von Biblis im ersten Halbjahr bezifferte der Konzern auf rund 400 Millionen Euro.

Roels hofft auch auf einen Meinungswechsel zur Atomenergie. "Wichtig ist, dass die Bundesregierung im Herbst dieses Jahres ein energiepolitisches Konzept vorlegt, das von realistischen Annahmen ausgeht." Die Atomkraft sei kostengünstig und klimafreundlich. RWE stehe auch Investitionen in ausländische Kernkraftwerke positiv gegenüber, etwa in Rumänien, Bulgarien oder Großbritannien. (mit dpa)