Entführung in Nahost : US-Richter verurteilt Iran wegen Hamas-Mordes zu Millionen-Strafe

1994 entführte die radikalislamische Hamas in Israel einen US-Bürger und erschoss ihn, als ihr Versteck gestürmt wurde. Ein US-Gericht verurteilte nun Iran wegen seiner Unterstützung der Hamas zu einer massiven Geldstrafe. Die Urteilsvollstreckung könnte aber schwierig werden.

WashingtonFast 15 Jahre nach der Ermordung eines Amerikaners in Israel hat ein US-Bundesrichter Iran wegen seiner Rolle bei der Bluttat zur Zahlung von 25 Millionen Dollar (rund 19 Millionen Euro) plus Zinsen verurteilt. Der damals erst 19-jährige Nachshon Wachsman war im Oktober 1994 von Mitgliedern der radikalislamischen Hamas entführt und später getötet worden. Die Mutter und sechs Brüder des Opfers hatten 2006 Klage gegen Iran und dessen Sicherheitsministerium eingereicht. Darin machten sie geltend, dass Teheran wegen seiner Unterstützung und Hilfe bei der Ausbildung der Hamas für den Mord verantwortlich sei.

Der Fall hatte seinerzeit weltweit großes Aufsehen erregt und die Friedensgespräche zwischen dem damaligen israelischen  Regierungschef Jitzchak Rabin und den Palästinensern stark beeinträchtigt. Der Entscheidung von Richter Ricardo Urbina vom Freitag zufolge soll Iran nun wegen Verursachung emotionalen Schmerzes fünf Millionen Dollar an die Mutter sowie je 2,5 Millionen Dollar an die Brüder zahlen. Weitere fünf Millionen Dollar sollen in den Nachlass des Ermordeten fließen. Iran wurde außerdem zur Zahlung von jährlich je sechs Prozent Zinsen vom Tag der Bluttat an verurteilt.

Allerdings gilt es aufgrund von bisherigen Erfahrungen in ähnlichen Fällen als sehr fraglich, dass die Kläger die Gelder auch wirklich erhalten. Iran selbst hat niemals auch nur Stellung zur Klage bezogen. Das Gericht könnte aber anordnen, dass Vermögenswerte etwaiger iranischer Körperschaften in den USA zur Erfüllung des Urteils beschlagnahmt werden.

Wachsman hatte sich zur Zeit des Terroraktes als Soldat in Israel verpflichtet. Seine Entführer forderten im Gegenzug zu einer Freilassung die Entlassung mehr als 200 muslimischer Fundamentalisten aus israelischer Haft. Kurz vor Ablauf des Ultimatums stürmten israelische Sicherheitskräfte das Versteck, und die Entführer erschossen ihre Geisel. (mhz/dpa)