Entführungen : Afghanische Regierung beginnt Militäroperation

Nach den Entführungen in der Provinz Ghasni bereitet die afghanische Armee offensichtlich eine Militäroperation vor. Offiziell wird betont, dass diese Operation nichts mit den Entführungen zu tun hat. 21 Südkoreaner sind in der Region immer noch entführt.

KabulNach der Geiselnahme der Südkoreaner in der südostafghanischen Provinz Ghasni hat die afghanische Armee eine Militäroperation gegen die Taliban begonnen. Ziel der Operation sei aber nicht die gewaltsame Befreiung der Entführten, betonte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul, Zahir Azimi. Bei Kämpfen im Distrikt Andar, wo Polizisten am Dienstag die Leiche eines von den Taliban erschossenen Koreaners fanden, seien am selben Tag vier Rebellen getötet worden. Auch der deutsche Bauingenieur, der in der Nachbarprovinz Wardak verschleppt worden war, soll von seinen Entführern nach Ghasni gebracht worden sein.

Asimi sagte, Armeehubschrauber hätten Flugblätter abgeworfen, in denen Zivilisten aufgefordert worden seien, sich in sichere Gebiete zu begeben. Die Operation werde ausgeweitet. Die radikal-islamischen Taliban haben im Falle einer Militäroperation zur Befreiung der Geiseln mit dem Mord an den verbliebenen 21 Südkoreanern gedroht. Zwei koreanische Geiseln haben die Rebellen bereits getötet. Ein weiteres Ultimatum der Taliban war heute morgen abgelaufen. Das Schicksal der Geiseln ist ungewiss, weder die afghanische Regierung noch die Taliban äußerten sich.

Südkorea bittet um Hilfe

Die Familien der in Afghanistan verschleppten Südkoreaner haben heute noch einmal an die USA appelliert, sich aktiv für die sichere Rückkehr der Geiseln einzusetzen. "Wir wenden uns an unseren Verbündeten USA, aktiver zu werden, um die Geiselkrise auf friedlichem und sicherem Weg zu beenden", hieß in einem Brief der Familien, der bei einem Besuch der US-Botschaft in Seoul übergaben. Die noch 21 überlebenden Südkoreaner in der Geiselhaft der Taliban-Rebellen seien in das kriegsgeschädigte Land gereist, um Hilfe zu leisten, hieß es.

Die südkoreanische Regierung hatte gestern nach dem Mord an der zweiten Geisel schon an die internationale Gemeinschaft appelliert, die Bemühungen um die Freilassung der übrigen Geiseln zu unterstützen. Zugleich rief Seoul zu größerer "Flexibilität" auf - eine Umschreibung dafür, die afghanische Regierung dazu zu bewegen, sich auf einen Handel mit den Geiselnehmern einzulassen. Die Taliban hatten die Freilassung von acht inhaftierten Gesinnungsgenossen gefordert. (mit dpa)