Der Tagesspiegel : Entwarnung für Badeseen, höchste Gefahr für Wälder

Gewässer weisen nach wie vor eine gute Qualität auf. In drei Landkreisen gilt ab sofort die höchste Waldbrandwarnstufe

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Die Brandenburger Badeseen können derzeit bedenkenlos für eine Abkühlung angesteuert werden. An einigen Gewässern hat zwar schon ein Wachstum von Algen eingesetzt, doch die Gesundheitsämter sahen bei ihren Wasserproben bislang nirgendwo Besorgnis erregende Werte. Eine Gefährdung für die Gesundheit bestehe nicht. Am sichersten seien noch immer die Waldseen. Diese weisen im Norden des Landes – also in der Uckermark und im Ruppiner Land – die beste Wasserqualität auf. Alle zwei Wochen überprüfen die Gesundheitsämter die Reinheit des Wassers an 230 offiziellen Badestellen. Das Ergebnis steht auf der Internetseite www.luis.brandenburg.de.

Die anhaltende Hitze und der starke Wind haben allerdings viele Wälder ausgetrocknet. Für die Landkreise Havelland, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz musste gestern die höchste Waldbrandwarnstufe 4 ausgesprochen werden. Die übrigen Landesteile erreichen sie wohl am morgigen Mittwoch. Beim Betreten der Wälder ist höchste Vorsicht geboten. Ein Drittel aller Waldbrände in Deutschland treten in Brandenburg auf. Der sandige Boden und die Monokultur der Kiefer begünstigen die Feuer. Seit April musste die Feuerwehr bereits rund 70 Brände löschen. Am Sonntag wurden bei Sperenberg, südlich Berlins, fünf Hektar ein Raub der Flammen. Auch am nördlichen Berliner Stadtrand bei Hobrechtsfelde brannte ein Kiefernwald ab.

Derzeit sind mehrere Feuerwachtürme rund um die Uhr besetzt. 60 Prozent der Wälder werden inzwischen durch Kameras überwacht. Diese sind nicht nur auf den alten Betontürmen montiert, sondern auch auf Gittermasten von Fernleitungen und Mobilfunkantennen. Bis Jahresende sollen 85 Prozent der Waldflächen durch elektronische Augen erfasst werden. Ein Risiko stellen nach wie vor die ehemaligen riesigen Truppenübungsplätze von Sowjetarmee und NVA dar. Auf diesen Übungsflächen kommt es durch zurückgelassene Munition oder Glasscheiben immer wieder zu Selbstentzündungen der Wälder. „Sonst gehen 90 Prozent aller Brände auf Handlungen von Menschen zurück“, sagt Ministeriumssprecher Schade. „An erster Stelle stehen nach wie vor weggeworfene Zigarettenkippen. Aber auch die heißen Katalysatoren von Pkws setzen immer wieder den Waldboden in Brand.“

Bis jetzt sind keine Waldgebiete für Besucher gesperrt worden. Polizei und Feuerwehr appellieren an die vielen Badenden, die Zufahrtswege zu den Waldseen für Löschfahrzeuge freizuhalten. Auch Bahnreisende spürten gestern die zunehmende Trockenheit. In der Mittagszeit gerieten an der Strecke zwischen Erkner und Frankfurt (Oder) Böschungen in Brand, so dass der Zugverkehr eingestellt werden musste.

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