Der Tagesspiegel : Entwicklungsgesellschaft geplant: Nach Amsterdamer Vorbild sollen Gemeinden gemeinsam beraten

Klaus Kurpjuweit

Die Gemeinden rings um den geplanten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) bei Schönefeld sollen die Gewerbeansiedlung und den Wohnungsbau in der Region gemeinsam entwickeln. Damit soll vermieden werden, dass einzelne Kommunen erhebliche Vorteile aus dem Flughafen-Ausbau ziehen, und andere sich nur die Nachteile teilen dürfen. Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) will deshalb eine Entwicklungsgesellschaft gründen, an der sich die Kommunen, der Landkreis und auch ein privater Investor beteiligen sollen. Vorbild hierfür sei der Flughafen Schiphol bei Amsterdam in Holland, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Dirk Reitemeier. Die meisten Bürgermeister der Gemeinden rings um Schönefeld haben sich jetzt in Schiphol auf Einladung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) informiert.

An der Entwicklungsgesellschaft in Schiphol sind die Gemeinde Haarlemmermeer, auf deren Gebiet der viertgrößte Flughafen Europas liegt, die Provinz Nordholland und die Stadt Amsterdam sowie der Flughafen Schipol und die Nationale Investitionsbank beteiligt. Die Gesellschaft SADC kauft die Grundstücke, um dort Gewerbe anzusiedeln, und beteiligt sich am Aufbau der Infrastruktur. Zudem koordiniert sie die Planungspolitik. Die SADC wirbt aktiv auch im Ausland um Investoren.

Dabei war sie bisher nach eigenen Angaben äußerst erfolgreich. Für ansiedlungswillige Betriebe bestehe sogar eine Warteliste, sagte der Gemeinderat für wirtschaftliche Entwicklung von Haarlemmermeer, Görtemöller, den verblüfften Kommunalvertretern aus Brandenburg. Von 6000 Betrieben kommen 500 aus dem Ausland. Über 110 000 Arbeitsplätze gibt es um den Flughafen herum. Ähnlich vom Flughafen profitiert nach Angaben des Leiters des Wirtschaftsressorts, Vehmeyer, das benachbarte Amsterdam. Auch in der Stadt gebe es einen Mangel an Büroflächen und Hotelzimmern.

Der Widerstand gegen den Flughafen und dessen Ausbau sei in Haarlemmermeer verhältnismäßig gering, sagte Görtemöller, obwohl Teile der Gemeinde, die aus 26 Ortschaften besteht, unter den Flugschneisen liegen. Schiphol hat derzeit fünf Pisten; der Bau einer sechsten ist jetzt nach jahrelangen Auseinandersetzungen genehmigt worden. Dafür wird die Bahn, deren Flugroute über Amsterdam führt, danach geschlossen.

Ein anderes Vorgehen lässt sich dagegen nicht aus Schiphol auf den Flughafen BBI übertragen. Hier würde von einem Ausbau vor allem Schönefeld von den Steuereinahmen profitieren. In Holland geht der größte Teil dieser Einnahmen dagegen direkt in die Staatskasse der Zentralregierung.

Die Gemeinden rings um den Flughafen in Schiphol bekommen aber trotzdem direkt Geld von der Entwicklungsgesellschaft. Aus den Gewinnen finanziert ein Fonds kleinere Infrastrukturprojekte in den Ortschaften. Dieses Modell wolle man auch auf die Region um Schönefeld übertragen, sagte Reitemeier.

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