Erdbeben : Italien gedenkt der Opfer

Mit einer großen Trauerfeier wurde heute der Opfer des Erdbebens in den Abruzzen gedacht. Bei dem schwersten Beben in Italien seit rund drei Jahrzehnten kamen nach jüngsten Angaben 289 Menschen ums Leben.

L'Aquila205 Särge wurden in Reihen auf dem Paradeplatz einer Polizeiakademie in der am schwersten getroffenen Stadt L’Aquila aufgebaut. Viele waren mit Blumen und Fotos der Toten bedeckt. Flaggen wehten während des Staatstrauertags auf Halbmast. Geschäfte schlossen ihre Fensterläden, Flughäfen unterbrachen für eine Schweigeminute ihre Starts und die Lotsen legten ihre leuchtenden Westen ab.

Viele – unter ihnen Italiens Präsident Giorgio Napolitano – machten minderwertige Bauweisen für die verheerenden Häusereinstürze verantwortlich. Auch neuere Häuser, die erdbebensicher sein sollten, darunter ein Studentenwohnheim und ein Krankenhaus, brachen zusammen.

Wut, Trauer und der Wunsch nach Neuanfang

"Der Tag heute ist von Trauer bestimmt, aber es gibt auch viel Wut", sagte Piero Faro, der einer 65-jährigen Freundin und ihrem 45-jährigen Sohn die letzt Ehre erwies. "Zwischen all den Trümmern ist der Wunsch nach Neuanfang, Neubau und neuen Träumen spürbar", sagte Kardinal Tarcisio Bertone bei der Trauerfeier in L'Aquila in Anspielung auf die Wiedergeburt Jesus an Ostersonntag. Papst Benedikt XVI. sprach sein Beileid aus. Er gab eigens sein Einverständnis zu dem Gottesdienst, da die katholische Kirche normalerweise an Karfreitag keine Messe hält.

Aber nicht alle Überlebenden fanden Trost in der Religion. "Jetzt beten die Gebetsprofis und halten eine Messe. Jeder betet: Päpste, Bischöfe, Erzbischöfe, Exzellenzen, Eminenzen, Sankt Peter und Sankt Paul, aber Jesus Christus hat uns diese Erdbeben geschickt", echauffierte sich ein älterer Überlebender in einem der Zeltlager.

Donnerstagnacht erschütterten erneut zahlreiche Nachbeben die Region. Fünf Tage nach dem katastrophalen Beben schwanden die Hoffnungen auf weitere Überlebende und die Rettungsarbeiten neigten sich dem Ende zu.

28.000 Menschen verloren durch das Hauptbeben mit einer Stärke von 6,3 Montagnacht ihr Obdach. 17.000 von ihnen übernachten seitdem bei eisigen Temperaturen in Zelten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi dankte den Betroffenen für ihre "Ernsthaftigkeit, Anstand, Würde und Haltung".

Die materiellen Schäden für die italienische Wirtschaft werden auf bis zu drei Milliarden Euro geschätzt. Italien werde über 500 Millionen Euro von der EU Wiederaufbauhilfe erhalten. Berlusconi hatte zunächst die meisten internationalen Angebote für Soforthilfe abgelehnt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bot Unterstützung für den Wiederaufbau der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Dorfkirche von Onna an. Gleichzeitig erneuerte er das Angebot, in der betreffenden Region Katastrophenhilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau zu leisten. (aku/Reuters)