Erdbeben : Toyota nimmt Produktion wieder auf

Beim japanischen Autobauer Toyota sollen ab morgen die Fließbänder wieder rollen. Nach dem jüngsten Erdbeben musste der Konzern die Produktion in sämtlichen japanischen Werken stoppen.

TokioNach einem Stopp aller seiner japanischen Werke wegen des jüngsten schweren Erdbebens will Toyota die Produktion wiederaufnehmen. Die Arbeit in den meisten Fabriken des weltgrößten Autobauers solle ab Dienstag wieder anlaufen, kündigte Toyota-Chef Katsuaki Watanabe in Tokio an. Wegen des Produktions-Ausfalls würden rund 55.000 Autos verspätet ausgeliefert, fast zwei Drittel davon seien für den Export bestimmt. Laut einer Sprecherin von Toyota Deutschland dürften deutsche Kunden aber nicht von Verspätungen betroffen sein, weil der Großteil der hierzulande verkauften Modelle in Europa produziert wird.

Die Arbeit in Japan war gestoppt worden, weil das Beben die Anlagen des Zulieferers Riken zum Stillstand gebracht hatte. Über die Wiederaufnahme der Arbeit in den verbleibenden Fabriken in Japan sei noch nicht entschieden, sagte Watanabe. Laut Toyota wurden bisher schon rund 46.000 Autos verspätet ausgeliefert, fast zwei Drittel davon sind für den Export bestimmt. Insgesamt dürften 55.000 Autos von Verzögerungen betroffen sein, sagte Watanabe. Allerdings hält Toyota weiter an der für dieses Jahre angepeilten Produktion von 9,42 Millionen Autos fest.

Toyota überholt General Motors

Toyota hat in diesem Jahr den US-Konzern General Motors als weltgrößten Autobauer überholt. Die Sprecherin von Toyota Deutschland sagte, es könne "das ein oder andere" für den deutschen Markt bestimmte Fahrzeug verspätet fertig werden. Es sei aber unwahrscheinlich, dass der Kunde beim Händler etwas davon merke. Die in Deutschland meistverkauften Modelle wie Corolla, Avensis oder Yaris würden in Europa produziert. Aus Japan kämen dagegen unter anderem das Modell V4 und der Lexus auf den deutschen Markt. Der japanische Zulieferer Riken konnte seine Produktion wieder aufnehmen. Riken ist für die Zulieferung von rund 70 Prozent aller Teile in japanischen Autos verantwortlich. Die Anlagen von Riken, der vor allem Getriebe und Kolben herstellt, befinden sich in unmittelbarer Nähe der am meisten von dem Beben betroffenen Stadt Kashiwazaki.

Das Erdbeben vor rund einer Woche hatte die Stärke von 6,8 auf der Richterskala. Zehn Menschen starben. Aus einem Atomkraftwerk trat in der Folge radioaktiv verseuchte Flüssigkeit aus. Neben Toyota hatte das Erdbeben auch zu Engpässen bei den japanischen Konkurrenten Honda, Nissan, Mitsubishi, Mazda, Suzuki und Subaru geführt. Der Vorfall machte wieder einmal die Verwundbarkeit der stark verzahnten Automobil-Industrie deutlich. In dem Sektor wird nach dem "Just-in-Time"-Prinzip gearbeitet. Das heißt, dass die Teile der Zulieferer genau dann am Werk eintreffen, wenn sie dort auch gebraucht werden, um Lagerkosten zu sparen. Kann ein wichtiges Unternehmen plötzlich keine Teile liefern, muss mitunter die gesamte Produktion des Autobauers gestoppt werden. Die großen Autokonzerne können kaum auf Teile von anderen Lieferanten ausweichen. Denn die Zulieferer werden sehr früh in die Planung neuer Autos einbezogen, damit die Teile jeweils exakt auf das jeweilige Auto zugeschnitten sind. (mit AFP)