Erdgas-Tankstellen : Spitzenreiter beim "Gas geben"

Im "Gas geben" ist Brandenburg bundesweit Spitzenreiter. Kein anderes Bundesland verfügt über ein so dichtes Erdgas-Tankstellennetz.

Strausberg - An 42 Zapfsäulen kann der Kraftstoff derzeit getankt werden, 55 sind es im Verbund mit Berlin. "Damit haben wir in Brandenburg elf Tankstellen mehr als der Quotenschlüssel pro Bundesland vorsieht", betont Bernd Zimmermann, Geschäftsführer des Initiativkreises Berlin-Brandenburg "Das Erdgasfahrzeug e.V.".

Auch bei den Erdgasnutzern kann der Initiativkreis auf stetig wachsende Zahlen verweisen: Während 2005 etwa 3000 Autos und Busse mit Erdgas-Tanks gezählt wurden, sind es in diesem Jahr schon mehr als 4000. Für den Berliner Busunternehmer Karsten Schulze hat sich die Investition gelohnt. Im vergangenen Jahr hat er neun Erdgas-Niederflur-Gelenkbusse angeschafft, mit denen er als Subunternehmer der Berliner Verkehrsgesellschaft pro Fahrzeug und Jahr 70.000 Kilometer unterwegs ist. "Seitdem konnten wir knapp 140.000 Euro Kosten sparen", betont Schulze.

In spätestens zweieinhalb Jahren amortisierten sich die Anschaffungskosten für die Busse, fügt der Unternehmer hinzu und denkt bereits darüber nach, Busse für Stadtrundfahrten mit Erdgas zu betreiben. "Doch bislang haben wir noch keinen Hersteller gefunden, der uns die beliebten Doppeldeckerbusse mit entsprechenden Tanks baut", sagt Schulze.

Fahrlehrer zieht negatives Fazit

Ein negatives Fazit zieht dagegen der Betreiber einer Fahrschule bei Premnitz, der ein Übungsfahrzeug mit Diesel betreibt und eines für die Nutzung von Erdgas umrüsten ließ: "Die nächste Fahrzeugneuanschaffung wird wieder ein Dieselauto sein", so der Fahrlehrer. Die Elf-Kilogramm-Gasflasche im Kofferraum verursache zusätzliches Gewicht und mit einer Füllung komme er nur 220 Kilometer weit. "Ich muss mit den Fahrschülern mindestens zwei Mal am Tag tanken fahren - das kostet Zeit und zusätzliche Kilometer." Auch würden die Fahrschüler das Diesel-Auto aufgrund des ruhigeren Fahrverhaltens vorziehen.

Die Unternehmen und Institutionen, die sich im Initiativkreis zusammengeschlossen haben - das sind neben den Energieanbietern auch die märkischen Ministerien für Umwelt und Wirtschaft - fördern die Nutzung des Treibstoffs mit Zuschüssen oder Tankgutscheinen. Außerdem gehen sie gezielt auf potenzielle Nutzer zu.

"Wir beraten die Betreiber von Fahrzeugflotten im Hinblick auf eine Erdgasumwidmung ihrer Autos", sagte Frank Hahn von den Premnitzer Stadtwerken. An der Erdgastankstelle an der Friedrich-Engels-Straße sei nicht zuletzt deshalb in den vergangenen sechs Jahren der Absatz auf das Zehnfache gestiegen. Hahn: "Während wir anfangs 500 Kilogramm pro Monat verkauften, sind es nun 5000." Etwa zehn Fahrzeuge pro Tag würden dort betankt. Das seien zu gleichen Teilen private Nutzer und Unternehmer wie Taxifahrer oder eine Firma aus der Sicherheitsbranche.

Aufbau eines engmaschigen Netzes angestrebt

Die Erdgas-Zapfsäule an der Tankstelle Brüssower Allee in Prenzlau wird hingegen vor allem von Durchreisenden genutzt. "Vor allem Autofahrer aus anderen Bundesländern nutzen das Angebot auf ihrem Weg an die Ostsee", beschreibt Mitbetreiberin Ingelore Glaser. In den Sommermonaten stoppten etwa drei bis fünf Erdgasfahrzeuge pro Tag. Mit Ende der Urlaubssaison habe jedoch auch die Nachfrage wieder abgenommen. Erst in Neubrandenburg und Schwedt - beide Städte je etwa 45 Kilometer entfernt - steht wieder Erdgas zur Verfügung.

Ziel der Erdgasanbieter ist es, ein engmaschiges Netz von entsprechenden Tankstellen aufzubauen. "In den Städten soll es alle fünf Kilometer ein solches Angebot geben; in ländlichen Regionen sollen die Tankstellen nicht weiter als 25 Kilometer auseinander liegen", sagt Zimmermann. Obwohl Brandenburg schon gut gerüstet ist, sollen im kommenden Jahr noch drei neue Erdgas-Tankstellen dazukommen.

Bundesweit kann an 700 solcher Zapfsäulen getankt werden. Bis 2007 soll die 1000er-Marke überschritten werden. Damit liegt Deutschland im Europa-Vergleich vorne. Italien betreibt fast 450 Erdgas-Tankstellen, in Österreich und der Schweiz sind es je 70 und in Polen 9. (Von Beatrice George, ddp)

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