Der Tagesspiegel : Erfolgreiches Ringen um Eko Stahl in Eisenhüttenstadt

Claus-Dieter Steyer

Im Poker um die Zukunft der Eko Stahl GmbH Eisenhüttenstadt ist ein Durchbruch gelungen. Nach Angaben der IG Metall gab der französische Mutterkonzern Usinor bei den gestrigen Gesprächen in Paris ihre Blockadehaltung auf und stellte erstmals schriftliche Zusagen zur Rolle von Eko im neuen europäischen Stahl-Großkonzern NewCo in Aussicht. Einen Vertrag dazu wollen Gewerkschaft und Usinor voraussichtlich am 14. Dezember in Berlin unterzeichnen.

Als "deutlichen Fortschritt" kommentierte das auch der Bezirksleiter der IG Metall, Hasso Düvel. Er sieht aber "noch keine Entwarnung" für die 3200 Eko-Beschäftigten und die run 2300 Mitarbeiter von Zulieferbetrieben.

Seit Monaten bangt die ganze Region um die Zukunft des größten Arbeitgebers. Eigentümer Usinor will mit den Unternehmen Aceralia aus Spanien und Arbed (Luxemburg) zum europäischen Stahlriesen NewCo fusionieren. Als aus der Chefetage von Usinor verlautete, dass künftig aus Kostengründen nur noch "Seestandorte" im neuen Verbund eine Chance hätten, sank die Stimmung auf den Nullpunkt. Der nächste Hochseehafen liegt fast 200 Kilometer entfernt im polnischen Stettin (Szczezin). Der größte Teil der Transporte übernehmen in Eisenhüttenstadt Lastwagen. "Wir haben Angst, dass hier alle Lichter ausgehen", sagte Frank Balzer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. "Denn bei einer Fusion haben wir höchstwahrscheinlich schlechte Karten." Wie nach dem Gespräch in Paris verlautete, konnten die Arbeitnehmervertreter "gewisse Zugeständnisse" erreichen. So soll anders als bisher geplant, die Kundenbetreuung und die Finanzbuchhaltung weiterhin selbstständig in Eisenhüttenstadt möglich sein. Einzelheiten werde der Standortsicherungsvertrag enthalten.

"Wir sind erst beruhigt, wenn wir die Zusagen schriftlich in der Tasche haben", meinte Betriebsrat Ralf Köhler, der die Angst um die Arbeitsplätze in Eisenhüttenstadt noch nicht gebannt sieht. "Schöne und beruhigende Worte haben wir in den letzten Monaten von Usinor genug gehört." Ob die Fusion der Stahlriesen klappt, hängt von der EU-Wettbewerbskommission ab. Sie will noch diesen Monat ihr Urteil verkünden.

Eisenhüttenstadts Bürgermeister Rainer Werner mahnte ein Mitspracherecht in der Debatte um die Zukunft von Eko an. Schließlich seien zwei Milliarden öffentliche Gelder seit 1990 in die Modernisierung und den Ausbau des Werkes geflossen. Gleichzeitig forderte er von Bund und Land mehr Investitionen in die Infrastruktur, etwa für eine Oderbrücke und bessere Straßen.

Bisher hatte Usinor die Eko Stahl GmbH als "Sprungbrett nach Osteuropa" bezeichnet. Doch die Pläne für ein 100 Millionen Mark teures Zweigwerk in Polen waren vor einigen Tagen auf Eis gelegt worden. Jetzt sollen die Investitionen erst nach der Entscheidung über einen EU-Beitritt Polens wieder auf die Tagesordnung kommen. Von der Verzinkungs- und Beschichtungsanlage in der Nähe von Posen (Poznan) hatten sich die Eko-Beschäftigten auch neue Arbeitsplätze in Eisenhüttenstadt versprochen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben