Der Tagesspiegel : Erholen unter Palmen – und der Staat soll den Spaß zahlen Darf der Investor für den Tropenpark in der Cargolifterhalle Fördergelder erhalten? Ein Pro & Contra

Claus-Dieter Steyer

Tropenparadies statt Luftschiffbau. Bereits am 2. Oktober soll die Eröffnungsparty für den Freizeitpark „Tropical Island“ in der riesigen Cargolifterhalle in Brand stattfinden. Dort sollen sich nach den Plänen des malayischen Unternehmers Colin Au dann bis zu drei Millionen Menschen jährlich in einer künstlichen Welt mit Dschungel, Sandstränden, einer Insel inmitten eines großen Sees tummeln. Und all das bei einer das ganze Jahr über konstanten Temperatur von 28 Grad. Wie in den Tropen soll man sich dort fühlen können; nur die Luftfeuchtigkeit in der Halle wird nicht ganz so hoch sein.

Ursprünglich wollte der 54-jährige Investor Au die 50 Millionen Euro teure Verwandlung der 70 Kilometer südlich von Berlin gelegenen Halle zum „Tropical Island“, das in der ersten Phase 500 Jobs bietet, ohne Fördermittel verwirklichen. Erst der Insolvenzverwalter von Cargolifter, Rolf-Dieter Mönning, habe ihn auf die Idee gebracht, öffentliche Gelder für den Innenausbau, die Außenanlagen und die Infrastruktur zu beantragen, sagte der in der Hotellerie erfahrene Unternehmer. Diesem Rat sei er gefolgt. Über die Höhe der gewünschten Zahlung aus Brandenburgs Kassen machte er keine Angaben. Aber den Eröffnungstermin seiner Tropenwelt macht Au nicht von der Zahlung der Fördermittel abhängig. „Wir kommen auch ohne zurecht“, meint Au. „Aber warum sollten wir nicht nehmen, was uns möglicherweise zusteht?“ Unter anderem wird die Anbindung zum Bahnhof Brand verbessert. Die Kreisverwaltung in Lübben geht zudem davon aus, dass für die vielen Besucher unter anderem das Trinkwasser- und Abwassernetz in der Region erweitert werden muss. Diese Kosten würden aber die Investoren übernehmen.

Platz genug für die Tropenwelt mit ihren vielen Attraktionen bietet die 360 Meter lange, 210 Meter breite und 107 Meter hohe Halle. Immerhin finden acht Fußballfelder darin Platz. Auf dieser Fläche sollten eigentlich die weltgrößten Zeppeline montiert werden. Die 260 Meter langen Ungetüme waren für den Transport sperriger Güter wie Kraftwerksanlagen, Bohrplattformen und riesige Maschinen über unwegsames Gelände gedacht gewesen. Doch im Sommer 2002 ging der Cargolifter AG das Geld aus. Bund und Land wollten in die unausgereifte Technologie „Leichter als Luft“, nach der die Luftschiffe abheben und landen sollten, keine Geld mehr stecken. Auch ein Hilferuf an die 70000 Aktionäre des „Zukunfts-Unternehmens“, wie Vorstandschef Carl von Gablenz sagte, half nicht.

Im vergangenen Oktober wurde das meiste Inventar versteigert. Dabei entpuppten sich die meisten Maschinen, Werkzeuge und Büromöbel als völlig ungebraucht. „Wir wissen nicht, wo hier 600 Ingenieure gearbeitet haben sollen“, meinte Insolvenzverwalter Mönning damals kopfschüttelnd. Er warf dem Unternehmen eine Täuschung der Öffentlichkeit vor. Zurück blieb eine 78 Millionen Euro teure Halle, deren Bau etwa zur Hälfte mit Steuermitteln finanziert worden war.

Für sie suchte der Insolvenzverwalter vergeblich nach einem Interessenten aus der Luftfahrtbranche. Alle Unternehmen schreckten vor den monatlichen Betriebskosten von 300000 Euro zurück, wobei Energie und Versicherung die größten Posten ausmachten. Deshalb war Mönning froh, mit dem Malaysier Colin Au und dessen Partner Tan Kong Han, einen Käufer für die Halle zu finden. Rund 20 Millionen Euro zahlte Colin Au für die riesige Immobilie und den umliegenden 550 Hektar großen früheren Flugplatz der russischen Streitkräfte.

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