Erinnerung : Einheitsdenkmal soll nach Berlin

Der Bundestag stimmte heute einem Antrag von Union, SPD und FDP zur Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin-Mitte zu und erteilt damit der Alternative in Leipzig eine Absage. Eine breite gesellschaftliche Debatte wurde abgelehnt.

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So hätte das Einheitsdenkmal aussehen können: Der Siegerentwurf im Wettbewerb zu einem "Denkmal für Freiheit und Einheit" in...Foto: dpa

In Berlin soll nach dem Willen des Bundestages künftig ein Denkmal an die friedliche Revolution von 1989 und die deutsche Einigung erinnern. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, eine Konzeption zu entwickeln und mit dem Berliner Senat einen Standort zu suchen. Geplant ist, das Denkmal zum 20. Jahrestag der Maueröffnung im Jahr 2009 einzuweihen.

Der für den Aufbau Ost zuständige Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) bezeichnete in der Debatte Berlin als geeigneten Ort für ein solches Denkmal. Der frühere Leipziger Oberbürgermeister sprach sich zugleich für ein "markantes Zeichen" des Gedenkens in seiner Heimatstadt aus, wo die friedliche Revolution im Osten ihren Anfang nahm. Ohne die Demonstrationen in Leipzig hätte es den Fall der Mauer am 9. November 1989 nicht gegeben.

"Mahnmal des historischen Glücks"

Tiefensee sagte, es müsse im Zusammenhang mit dem Denkmal auch über die Entwicklung in Osteuropa vor dem Mauerfall diskutiert werden. Ohne den Mut von Menschen in Polen, Ungarn und der früheren Tschechoslowakei sowie die Perestroika in der damaligen Sowjetunion hätte es die deutsche und die europäische Einheit nicht gegeben. "Dieser Tag fällt nicht vom Himmel, auch wenn er wie ein Wunder scheint", sagte Tiefensee mit Blick auf den 9. November 1989.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warb vehement für das Einheitsdenkmal. Es sei ein "notwendiges und wichtiges" Projekt, mit einem "Mahnmal des historischen Glücks" an die friedliche Revolution in der DDR zu erinnern. "Wir sollten all unseren Mut zusammennehmen und an das Jahr der Wunder erinnern", sagte Thierse mit Blick auf den Mauerfall. Deutschland sollte mit einem Denkmal daran erinnert werden, "wozu uns unser nationales Glück" verpflichte. "Wir müssen uns erinnern, dass Einheit und Freiheit zusammengehören und dass das so bleibt", unterstrich der ostdeutsche Parlamentarier.

"Ausführliche Diskussion, statt schnell, schnell, schnell"

Der aus Sachsen stammende Grünen-Abgeordnete Peter Hettlich beklagte das "Hauruckverfahren", mit dem über ein Einheitsdenkmal diskutiert werde. Die Grünen wollten eine grundsätzliche Debatte über ein Ob und Wann eines solches Denkmals. Dabei müssten auch Verbände einbezogen werden. Denkmäler müssten mehr sein als in Beton gegossenes Heldengedenken.

Die Linke-Abgeordnete Lukrezia Jochimsen kritisierte ebenfalls die Schnelligkeit des Verfahrens. Sie forderte eine "ausführliche Diskussion, statt schnell, schnell, schnell". Der Antrag der Linke für Leipzig als Ort des Gedenkens fand ebenso wie ein fraktionsübergreifenden Antrag, in dem 35 Abgeordnete ein Denkmalpaar in Berlin und Leipzig forderten, keine Mehrheit. Auch ein Antrag der Grünen auf eine breite gesellschaftliche Debatte, "ob, ab wann und in welcher Form" ein solches Denkmal geschaffen werde, wurde abgelehnt. (mit ddp)