Der Tagesspiegel : Ermittler suchen Mitwisser Staatsanwälte zweifeln an unbemerkten Geburten

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder) – Fünf Tage nach dem Fund von neun Babyleichen in Brieskow-Finkenheerd ist es für die Staatsanwälte kaum noch glaubhaft, dass niemand etwas von den Schwangerschaften und Geburten bemerkt haben sollte. „Wir haben sehr starke Zweifel an der Aussage der beschuldigten Sabine H.“, sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding. Die 39-jährige Frau hatte in ihren ersten Vernehmungen behauptet, die neun Babys allein zur Welt gebracht zu haben. Niemand habe von den Schwangerschaften gewusst. An die Art und Weise, wie die Kinder ums Leben gekommen waren, konnte sie sich laut Staatsanwaltschaft nicht erinnern. Sie sei stets betrunken gewesen.

Wie berichtet, waren die Überreste der Leichen in Behältern auf dem Grundstück der Eltern der in Untersuchungshaft sitzenden Frau entdeckt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen starben die Kinder gleich nach der Geburt in den Jahren 1988 bis 1998 oder 1999. Die DNA-Untersuchung der Knochenreste ist noch nicht abgeschlossen. Die Ermittler gehen jetzt der Aussage der Beschuldigten nach, ein Baby sei 1991 während einer Autofahrt vom niedersächsischen Goslar nach Frankfurt (Oder) ums Leben gekommen. „Zu diesem Zeitpunkt besaß die Mutter jedoch keinen Führerschein“, sagte Scherding.

Auch die Angaben des Ex-Ehemanns Oliver H., von dem Sabine H. seit 2001 getrennt lebt, will die Staatsanwaltschaft jetzt nochmals „sehr kritisch überprüfen“, wie Scherding ankündigte. Er sei bereits zweimal vernommen worden. Dabei habe er stets behauptet, nichts von den Schwangerschaften bemerkt zu haben. „Es gab bisher keinen konkreten Anlass, daran zu zweifeln“, teilte der Oberstaatsanwalt mit. Deshalb werde gegen Oliver H. noch kein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Mitwisser- oder Komplizenschaft geführt. Medienberichte, wonach Ermittler ein Foto von Sabine H. mit einem eindeutigen Schwangerschaftsbauch gefunden hätten, wollte Oberstaatsanwalt Scherding nicht bestätigen. Die Befragung der Frau soll in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden.

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