Der Tagesspiegel : Ermittlungen gegen Chipfabrik-Chef Disziplinarverfahren eingeleitet

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Potsdam. Die in Frankfurt (Oder) geplante Chipfabrik kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: Am gestrigen Freitag wurde bekannt, dass das Potsdamer Wissenschaftsministerium gegen den derzeitigen Vorstandschef der Communicant AG, Abbas Ourmazd, ein Disziplinarverfahren eingeleitet hat. Der Hintergrund: Ourmazd war bis September letzten Jahres Chef des staatlichen Instituts für Halbleiterphysik (IHP) in Frankfurt (Oder), das die Technologie für die Chips entwickelt hat, die Communicant herstellen will. Zugleich war er aber auch Aufsichtsratsvorsitzender und Miteigentümer der Communicant AG, die die Chipfabrik bauen und betreiben will. Laut „SpiegelOnline“ prüft das Ministerium mögliche Amtspflichtverletzungen des derzeit beurlaubten Landesbeamten in dieser Zeit. Es bestehe der Verdacht, dass es bei Verhandlungen zwischen dem IHP und der Firma zu Interessenkollisionen gekommen sei - „mit negativen Auswirkungen für die Forschungseinrichtung".

Abbas Ourmazd lehnte gestern jede Stellungnahme ab. Auch Wissenschaftsministerin Johanna Wanka sagte, sie werde Berichte über ein Disziplinarverfahren weder bestätigen noch dementieren. Ourmazd selbst soll gegenüber Dritten jedoch das Disziplinarverfahren bestätigt haben. Nach Informationen des Tagesspiegel ist es bereits im letzten Jahr eingeleitet worden. Geprüft werden soll unter anderem auch, ob Ourmazd in seiner damaligen Doppelfunktion Verträge zum Nachteil des staatlichen IHP abgeschlossen habe. Das IHP hat nicht nur die Technologie für die Chipfabrik entwickelt, sondern ist auch daran beteiligt.

Brisant ist der Vorgang aus zweierlei Gründen: Zum einen ist die Finanzierung der Chipfabrik nach wie vor nicht gesichert. Die Banken sind nicht bereit, die benötigten Kredite in Höhe von 650 Millionen Dollar zu gewähren, da sie nur zu 80 Prozent von Bund und Land verbürgt werden. Das bereits verlängerte Verhandlungsmandat der Commerzbank und der Gulf International Bank (Bahrein) läuft Ende des Monats aus.

Zum anderen ist Ourmazd als Direktor des IHP beurlaubt: Grundsätzlich könnte er also, wenn die Chipfabrik in den nächsten Wochen platzt, auf seinen früheren Posten zurückkehren. Die Frist läuft im März ab. In Kreisen der Bundes- und Landesregierung hält man eine Rückkehr von Ourmazd jedoch „nicht für sinnvoll". Intern wird er für das fehlerhafte Management der Chipfabrik mitverantwortlich gemacht. Er habe zunächst als Aufsichtsratsvorsitzender und seit letztem Herbst als Vorstandschef die Strippen gezogen. Ourmazd hat sich bisher nicht dazu geäußert, ob er von seinem Rückkehrrecht ans IHP Gebrauch machen will. ma

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