Ermittlungen : Unter Verdacht: US-Soldaten als Kriegsverbrecher

US-Militäranwälte haben Ermittlungen gegen zehn Marineinfanteristen wegen möglicher Kriegsverbrechen im Irak aufgenommen. Sie sollen gefangen genommene Iraker willkürlich erschossen haben.

Washington/BagdadUS-Militäranwälte haben Ermittlungen gegen zehn Marineinfanteristen wegen möglicher Kriegsverbrechen im Irak aufgenommen. Den Beschuldigten werde von einem ehemaligen Mitkämpfer vorgeworfen, während der Offensive in der Stadt Falludscha im November 2004 insgesamt acht gefangen genommene Iraker willkürlich erschossen zu haben, berichtete der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Washington.

Die Vorwürfe des US-Soldaten gegen seine ehemaligen Kameraden würden als glaubhaft eingeschätzt, berichtete CNN weiter. Die Iraker sollen während der Offensive der US-Armee Anfang September 2004 getötet worden sein. Falludscha war eine Hochburg der sunnitischen Rebellen. Bislang habe die Staatsanwaltschaft keine Anklage erhoben. Es handelt sich um den dritten Fall, in dem gegen US-Militärangehörige wegen Kriegsverbrechen im Irak ermittelt wird.

Vor einem Restaurant in Bagdad explodierte am Donnerstag eine Autobombe. Dabei wurden mindestens 17 Zivilisten getötet und 25 verletzt, meldete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die Polizei. In Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad, tötete am Freitag ein Sprengsatz vier irakische Soldaten. In Bakuba entführte eine Gruppe Bewaffneter neun irakische Zivilisten an einem vermeintlichen Kontrollpunkt.

Anschlag auf Ölpipeline

Unterdessen wurde eine der wichtigsten Öl-Pipelines im Südirak durch einen Bombenanschlag beschädigt. Ein Sprecher des irakischen Ölministeriums teilte mit, der Sprengsatz sei direkt unter der Leitung deponiert worden und habe mehrere Brände ausgelöst. Die Pipeline führt zu einer Raffinerie in der Hauptstadt Bagdad, deren Produktion durch den Anschlag wahrscheinlich auf die Hälfte reduziert wird.

In der nordirakischen Stadt Samarra verstärkten die Aufständischen ihre Angriffe auf die irakischen Regierungstruppen. Vier Soldaten wurden durch eine Bombe getötet, fünf weitere starben am Tag zuvor, als ihr Konvoi von den Rebellen aus dem Hinterhalt angegriffen wurde, berichtete Aswat al-Irak. Bei Kampfeinsätzen in Bagdad starben am Donnerstag insgesamt drei US-Soldaten, bestätigte das US-Militärkommando in der irakischen Hauptstadt. (mit dpa)