Der Tagesspiegel : Erntemaschinen setzen Getreidefelder in Brand

Heiße Motoren entzünden die trockenen Halme – Feuerwehr im Dauereinsatz Auch die Waldbrandgefahr steigt wieder. In den Seen vermehren sich die Algen

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Die Feuerwehren befinden sich derzeit in vielen Brandenburger Landesteilen im Dauereinsatz. Doch im Unterschied zur Trockenheit im Mai und Juni müssen sie diesmal weniger brennende Wälder, sondern vor allem Flammen auf Feldern bekämpfen. Das Innenministerium in Potsdam beurteilte die aktuelle Situation gestern kurz und bündig: „Es brennt an allen Ecken.“ Vor allem Erntemaschinen lösen mit ihren heißen Motoren immer wieder Brände aus.

So brannte in den vergangenen Tagen unter anderem ein 16 Hektar großes Kornfeld bei Neuenhagen am östlichen Berliner Stadtrand. Dank des Einsatzes von gleich sieben Freiwilligen Feuerwehren konnte ein Übergreifen der Flammen auf Häuser verhindert werden. Außerdem gab es Feuer rund um Frankfurt (Oder) und bei Mahlow, wo die Rauchsäule sogar in Berlin zu sehen war. Der größte Brand zerstörte bei Schöneiche südöstlich Berlins ein 75 Hektar großes Feld sowie einen Mähdrescher und einen Traktor. In Altlandsberg wurde auch das Auto eines Staffelleiters der freiwilligen Feuerwehr zerstört. Er hatte es in Altlandsberg auf einem abgeernteten Feld abgestellt, um in der Nähe brennenden Roggen zu löschen. Der noch heiße Katalysator entzündete die Stoppeln im Boden – der Wagen brannte vollständig aus. Die Polizei appellierte gestern an Autofahrer, keine brennenden Zigarettenkippen aus dem Fenster zu werfen. Es sei nicht auszuschließen, dass einige Feuer auch dadurch ausgelöst worden sind.

Doch auch die Waldbrandgefahr steigt durch die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen wieder an. In den Kreisen Potsdam-Mittelmark und Havelland gilt ab dem heutigen Donnerstag die höchste Waldbrandwarnstufe, teilte das Agrarministerium gestern mit. Für alle anderen Landesteile rief das Ministerium die zweithöchste Warnstufe aus. Da die Meteorologen für die nächsten Tage wieder heißes und trockenes Wetter ankündigten, wird für das Wochenende landesweit mit der höchsten Waldbrandgefahr gerechnet. Die Forstbehörden können dann einzelne Wälder sperren. Der Zugang zu Badestellen und Erholungseinrichtungen bleibt aber immer frei.

Allerdings ist der Badespaß nicht mehr an allen Stellen völlig ungetrübt. „An acht Orten müssen wir vom Baden abraten“, sagte Heidrun Seyfferle vom Umweltministerium. „Hier hat ein starkes Wachstum von Blaualgen eingesetzt.“ Betroffen sind der Oberuckersee, der Große und Kleine Wentowsee, der Haussee, der Moderfitzsee und das Waldbad Zehdenick. Kleinkinder sollten hier auf keinen Fall baden, Allergiker anschließend sorgfältig duschen und ihre Kleidung waschen. Im Rangsdorfer See besteht eine sehr geringe Sichttiefe, so dass auch hier das Schwimmen nicht empfohlen werden kann.

Der Regenmangel hat die Pegel der Flüsse sinken lassen. Die Elbe bei Wittenberge führte gestern 1,36 Meter Wasser, normal wären 3,50 Meter. In Frankfurt liegt der Pegel der Oder bei 1,49 Metern, rund einen halben Meter unter normal.

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