Der Tagesspiegel : Erschlagener Obdachloser: Der Rest eines kläglichen Lebens

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Die Faustschläge gegen den Kopf überlebte der 61-jährige Dieter Manzke nicht. Zu schwer waren die Verletzungen, die ihm Mitte August vier teils rechtsextremistische Männer zwischen 17 und 22 Jahren in Dahlewitz zufügten. In einem Bungalow unweit des Bahnhofes hatte sich der Obdachlose damals aufgehalten. Die Täter wollten ihm laut ihrer Aussage vor der Polizei klarmachen, "dass er hier nichts zu suchen habe".

Dieter Manzke soll in Kürze in seinem Heimatort beerdigt werden - und über das Wie der Bestattung ist jetzt ein Streit entbrannt. "Das zuständige Sozialamt in Rangsdorf plant eine anonyme Beisetzung in der Gemeinschaftsgrabanlage Zossen", sagt Claudin Jaffke von der Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Mahlow im Verein Opferperspektive. Nichts werde in Zukunft daran erinnern, wie Dieter Manzke "den Rest seines kläglichen Lebens verlor". Es könne nicht sein, dass allein Kostengründe zu so einer Bestattung führen. Die Zurückhaltung der politisch Verantwortlichen vergebe die Chance, die Öffentlichkeit gegen derartige Taten zu mobilisieren.

Der Verein Opferperspektive nahm deshalb Kontakt zu der Familie des Opfers auf. Nach reiflicher Überlegung haben sich die Töchter von Dieter Manzke nun entschlossen, den Toten im Grab seiner Eltern zu beizusetzen. Zur Trauerfeier soll die Öffentlichkeit zugelassen werden. Allerdings ist die nahezu mittellose Familie nicht in der Lage, die zusätzlichen Kosten zu tragen. Deshalb hat der Verein Opferperspektive ein Spendenkonto eingerichtet. "Wir wollen mehr Aufmerksamkeit für die Opfer von Gewalttaten erreichen", sagt die Sprecherin des Vereins. Die oft zu beobachtende Ausgrenzung Obdachloser und sozial benachteiligter Menschen sei nicht akzeptabel.

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