Der Tagesspiegel : Erst Geduld, dann Tempo

Viele Bahnkunden beschweren sich Ab 2004 schneller nach Hamburg

Klaus Kurpjuweit

Neustadt (Dosse). Bahnfahrgäste im Regionalverkehr westlich von Berlin müssen sich zurzeit gedulden, damit künftig die Fernzüge von Berlin nach Hamburg rasen können. Um die Strecke für Tempo 230 auszubauen, hat die Bahn eine Baustelle eingerichtet, die es in dieser Art nach Angaben von Fachleuten noch nicht gegeben hat. Auch die Zahl der Beschwerden von Fahrgästen ist ungewöhnlich hoch, gibt Holger Prestin, Leiter der Kundenbetreuung Nordost, zu. Zum Teil verlängert sich für Fahrgäste im Nahverkehr die Fahrtzeit um eineinhalb Stunden, weil sie auf Busse umsteigen müssen.

Ärger gibt es vor allem im Bereich Falkensee. Durch die Arbeiten waren die Bahnen der RB 10 von Nauen nach Berlin erst wochenlang extrem unpünktlich; jetzt kann zudem wegen der Arbeiten nur jeder zweite Zug in Falkensee halten.

Auf 90 Kilometern ist der Abschnitt zwischen Nauen und Wittenberge seit dem 14. Juli gesperrt. Obwohl die Arbeiten in der vergangenen Hitzeperiode teilweise ruhten, soll der Verkehr wie geplant am 27. September wieder aufgenommen werden. Dabei bleibt es aber zunächst bei den bisherigen Fahrtzeiten im Fernverkehr. Wegen der Hitze konnte unter anderem an den Gleisen nicht geschweißt werden. Insgesamt rollten zu Spitzenzeiten bis zu 45 Laster pro Stunde durch die Dörfer entlang der Baustelle. Bis zu tausend Arbeiter waren beschäftigt.

Die erste Ausbaustufe der Strecke Berlin–Hamburg war im Mai 1997 nach Investitionen von rund 2 Milliarden Mark fertig gestellt worden. Ursprünglich sollte sie als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit für Tempo 200 ausgebaut werden. Mit der Planung für eine Transrapidstrecke zwischen beiden Städten wurde der Schienenausbau abgespeckt; die Züge konnten nur mit 160 km/h fahren. Nach Aufgabe der Transrapid-Pläne versprach Bahnchef Hartmut Mehdorn eine superschnelle Schienenverbindung. In 93 Minuten sollten die ICE ab Ende 2004 die 290 Kilometer zwischen beiden Städten zurücklegen. Der Transrapid hätte rechnerisch etwas mehr als eine Stunde benötigt. 650 Millionen Euro wird die nachträgliche Aufrüstung der Strecke für Tempo 230 kosten – etwa ein Drittel mehr, als wenn man die Trasse von Anfang an für dieses Tempo ausgebaut hätte.

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