Der Tagesspiegel : Erster Säugling in Babyklappe abgelegt

Sandra Dassler

Potsdam - Das kleine Mädchen war erst ein paar Stunden alt, aber kerngesund, als es am Mittwoch vergangener Woche in die Babyklappe des Potsdamer St.-Josefs-Krankenhauses gelegt wurde. Seit Montag sei das Kind nun bei einer Pflegefamilie untergebracht, sagte Adelheid Lanz, die Leiterin des katholischen Krankenhauses, das als einzige Einrichtung im Land Brandenburg seit Juni 2003 eine Babyklappe eingerichtet hat. Sie soll Müttern in Not ermöglichen, ihre Neugeborenen anonym abzugeben, anstatt sie auszusetzen und in Lebensgefahr zu bringen.

Es war das erste Mal, dass die Babyklappe genutzt wurde. Ihre Einrichtung war vor drei Jahren umstritten. Gegner argumentierten, damit beschwöre man die anonyme Abgabe der Babys geradezu herauf. Die Ministerien lehnten es unter Hinweis auf ungeklärte rechtliche Fragen ab, weitere Klappen in Brandenburg einzurichten. „Heute würden wir es begrüßen, wenn mehr Einrichtungen Babyklappen anbieten würden“, sagt der Sprecher des Jugendministeriums, Thomas Hainz. Man setze aber weiterhin vor allem auf präventive Angebote, auf Hilfen bereits während der Schwangerschaft.

„Es wird aber immer Frauen geben, die wir damit nicht erreichen und die zu Panikreaktionen neigen“, sagt der Cottbuser Leiter des Kinderschutzbundes, Fritz-Rudolf Holaschke. Krassestes Beispiel sei jene Mutter aus Frankfurt (Oder), die neun Babys nach der Geburt getötet haben soll (Tagesspiegel berichtete). Und immer wieder werden Neugeborene auch in Brandenburg an Stellen ausgesetzt, wo sie zu spät gefunden werden und sterben: im Müll, auf einer öffentlichen Toilette oder im Schuhkarton.

Informationen gibt es im Internet unter www.adoption.de/info_babyklappe und www.babyklappe.de. Auch unter der Telefonnummer 0800 111 0 222 erfahren hilfebedürftige Mütter bundesweite Adressen

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