Der Tagesspiegel : Erstklassige Uniform

An der Potsdamer Max-Dortu-Grundschule sollen die neuen Schüler Einheitskleidung tragen

Susanne Vieth-Entus

Die morgendliche Frage: Was ziehe ich heute an?, dürfte sich für die Erstklässler der Potsdamer Max-Dortu-Grundschule bald erledigt haben. Morgen wird die Schulkonferenz abstimmen, ob die Lernanfänger noch in diesem Jahr Schuluniformen bekommen – und Rektorin Gudrun Wurzler erwartet ein „Ja“.

Grund für das Projekt ist das soziale Gefälle in der Schule. Von der Uniform erhofft Rektorin Wurzler sich, dass das weniger spürbar sein wird. Außerdem erwartet sie, dass die Kinder sich stärker mit ihrer Schule identifizieren, wenn sie die Kleidung mit dem Schriftzug der Schule tragen und auch von Passanten als Repräsentanten der Schule wahrgenommen werden. Wie die Uniform aussehen wird, ist noch unklar. Der Entwurf einer Berliner Designerin besteht aus einer blauen Allwetterjacke mit heraustrennbaren Ärmeln, einer blauen Basecap, gelbem T-Shirt und rotem Sweatshirt. Einige Exemplare wurden bereits hergestellt und von den Kinder in Augenschein genommen. „Am liebsten würden sie das alles gleich anziehen“, freut sich die Leiterin. Allerdings sind noch nicht alle Eltern überzeugt, und die müssen für die Uniform 50 bis 70 Euro zahlen. „Aber die Tendenz ist positiv“, sagt Wurzler.

Die Max-Dortu-Schule, die im historischen Zentrum von Potsdam liegt und bereits 145 Jahre alt ist, unternimmt nicht als erste deutsche Schule den Versuch, einheitliche Kleidung einzuführen. 2001 hatten sich zwei Berliner Schulen zwei Monate lang bemüht, mit identischen Sweatshirts und Hosen zurechtzukommen – erfolglos. Am Ende waren sowohl die Friedrichshainer Heinrich-Ferdinand-Eckert-Hauptschule als auch das Steglitzer Willi-Graf-Gymnasium froh, als es vorbei war. Das aber entmutigt die Dortu-Schule nicht. In den beiden Fällen handelte es sich um 14- bis 17-jährige Schüler. „Man muss da hineinwachsen“, glaubt Gudrun Wurzler. Wenn man mit kleinen Kindern anfange, sei die Chance größer, dass sie sich daran gewöhnen. Der Uniform-Versuch soll sogar von den Universitäten Gießen und Potsdam wissenschaftlich begleitet werden. Und schließlich setzt Wurzler darauf, dass dann auch die Zweit- bis Sechstklässler freiwillig mitmachen. Die neuen Potsdamer Erfahrungen dürften auch in Berlin-Spandau auf Interesse stoßen: Dort wollten die bezirkliche CDU und FDP einen Versuch mit Schuluniformen starten. Es scheitert aber bisher am fehlenden Konzept.

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