Erwerbslosigkeit : Arbeitsmarkt 2008 wieder schwächer

Nach einer Erholung des Arbeitsmarktes in diesem Jahr wird die Arbeitslosigkeit 2008 wohl nicht mehr so stark sinken. Gegen die "enorme Sockelarbeitslosigkeit" hilft auch die anhaltend gute Konjunktur nicht.

NürnbergExperten rechnen für das kommende Jahr mit einer leichten Abkühlung des Arbeitsmarkts. Als Gründe nannten Volkswirte deutscher Großbanken neben der von ihnen erwarteten leichten Abschwächung der Konjunktur auch den drohenden Fachkräftemängel. "Die Arbeitslosigkeit wird im Jahr 2008 sicher nicht mehr so stark sinken wie in den Jahren 2006 und 2007", prognostizierte Andreas Rees von der Münchner HypoVereinsbank.

Für den Juli erwarten die Fachleute einen Anstieg der Erwerbslosigkeit um 30.000 bis 40.000 auf 3,71 bis 3,72 Millionen. Das wären 670.000 bis 680.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt rechnen sie wegen des zunächst anhaltenden Arbeitsmarktaufschwungs hingegen weiter mit einem Rückgang. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Dienstag in Nürnberg bekannt geben.

Gut qualifizierte Mitarbeiter gesucht

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist unterdessen im Juli weiter gestiegen. Das entsprechende Wachstum weise allerdings nicht mehr die Dynamik der Vormonate auf, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Veröffentlichung ihres monatlichen Stellenindexes BA-X. Im zu Ende gehenden Monat stieg der Index auf einen Wert von 218. Dies seien nur noch vier Punkte mehr als im Juni, aber immerhin 55 Punkte mehr als im Juli 2006. Gesucht würden überwiegend gut qualifizierte Mitarbeiter.

Im kommenden Jahr werde dagegen die Arbeitslosigkeit trotz anhaltender Kräftenachfrage unter ein bestimmtes Maß nicht mehr zu drücken sein, meinen Banken-Volkswirte. "Es gibt eine enorme Sockelarbeitslosigkeit. Diese lässt sich auch mit einer guten Konjunktur nicht bekämpfen", schätzt HypoVereinsbank-Vertreter Rees. Mit einem gedrosselten Tempo beim Abbau der Arbeitslosigkeit rechnen für 2008 auch Stephan Bielmeier von der Deutschen Bank und Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank.

Zweites Halbjahr 2007 mit Schwung

Dagegen dürfte es nach Einschätzung der meisten Fachleute in der zweiten Jahreshälfte 2007 mit dem Arbeitsmarkt noch einmal kräftig aufwärts gehen. "Das gute fundamentale Umfeld ist weiter da", meint Deutsche-Bank-Volkswirt Stephan Bielmeier. "Der Auftragsbestand der Unternehmen ist enorm groß, die Firmen sind ausgelastet", betont auch HypoVereinsbank-Vertreter Rees.

Im Juni war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur um 125.000 auf 3.687.000 gesunken. Das waren 712.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote war um 0,3 Punkte auf 8,8 Prozent zurückgegangen. Im Vorjahr hatte sie noch bei 10,5 Prozent gelegen. (mit dpa)