Erze : Der Kupferschatz der Lausitz wird gehoben

Internationaler Bergbaukonzern will 700 Millionen Euro investieren. Die Vorarbeiten beginnen noch in diesem Jahr, die Gruben entstehen ab 2010.

Sandra Dassler

Spremberg/Berlin - Der „Schatz von Spremberg“ soll nun abgebaut werden: Noch in diesem Jahr will das Bergbauunternehmen Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) mit den Vorbereitungsarbeiten für ein 700 Millionen teures Kupfererzbergwerk in der Lausitz beginnen. Das kündigte KSL-Geschäftsführer Eike von der Linden gestern auf einer Pressekonferenz im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin an.

Ab 2015 könnten dann über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren rund 130 Millionen Tonnen Kupfererz mit 1,4 Prozent Kupfer gefördert werden. Nach dem Aufbereitungs- und Verhüttungsprozess sind das rund 1,5 Millionen Tonnen Kupfermetall. Auch wenn man jetzt noch nicht genau wisse, welchen Preis man in sechs oder sieben Jahren erzielen könne, sei das in jedem Fall rentabel, sagte Eike von der Linden: „Wir gehen davon aus, dass der Kupferbedarf vor allem in China, Indien, Brasilien und anderen Ländern in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen wird.“

Ein Beispiel dafür sei die Autoindustrie, sagte der KSL-Geschäftsführer. So seien in einem Mittelklassewagen rund 50 Kilo Kupfer verarbeitet. Während in den USA und Europa mehr als 500 Autos auf 1000 Erwachsene kämen, seien es in China erst 25 bis 30.

Das Erz lagert, wie berichtet, im brandenburgisch-sächsischen Grenzgebiet zwischen Weißwasser und Spremberg in einer Tiefe von rund 1000 Metern. Seine Existenz ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. In den 60er Jahren wurde bereits mit Vorarbeiten zur Erschließung begonnen. 1980 wurde das Projekt überraschend gestoppt: Der DDR fehlte das Geld.

2007 hatten sich angesichts der steigenden Kupferpreise gleich mehrere Firmen um die Konzessionen für den Abbau beworben: Minera S.A., ein internationales Unternehmen, das auf die Erkundung und den Abbau von Erzen spezialisiert ist, der weltweit agierende Konzern Anglo American über sein Tochterunternehmen Tarmac beziehungsweise die zu Tarmac gehörende Lausitzer Grauwacke GmbH und die polnische Firma KGHM Cuprum. Die Berechtigung für die Erkundungsarbeiten erhielt Minera, die inzwischen eigens für den Abbau in der Lausitz ihre Tochterfirma KSL gegründet hatte.

Während die polnische KGHM Cuprum ihren Widerspruch gegen die Entscheidung für Minera zurückzog, nachdem sie ein benachbartes Kupferfeld in Sachsen zugesprochen bekam, klagt die Lausitzer Grauwacke GmbH noch vor den Verwaltungsgerichten.

Minera kann aber trotzdem mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen. 20 Millionen investiert das Unternehmen sofort. Gestern wurden bereits mehrere Verträge mit Firmen abgeschlossen, um im Januar 2009 mit den Bohrungen und geophysikalischen Arbeiten zu beginnen.

Für den Bau des Bergwerks ab 2010 werden etwa 500 bis 1000 Beschäftigte benötigt, für den Betrieb sollen rund 900 direkte Arbeitsplätze und ebenso viele in der Dienstleistungs- und Zuliefererindustrie entstehen, sagte gestern Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU). Nicht zu vergessen die Steuereinnahmen: KSL will den Firmensitz noch in diesem Jahr von Berlin nach Spremberg verlegen.

Kein Wunder, dass der Spremberger Bürgermeister gestern kein Hehl aus seiner Freude über die Schatzsuche unter seiner Stadt machte. Bedenken wegen der Sicherheit und Umweltverträglichkeit müsse niemand haben, pflichtete er dem KSL-Chef Eike von der Linden bei. Vorbereitung, Bau und Betrieb würden streng nach deutschen und EU-Vorschriften erfolgen. Eine spezielle Technik verhindere das Auftreten von Bergschäden. Und da man Restmaterialien auf der Kippenseite eines benachbarten Tagebaus einlagern könne, entstünden weder Schlammteiche noch Berghalden.

Ob man eigene Bergleute ausbilden wird, ist noch offen. Kumpel gibt es in der Lausitz ja genügend – allerdings haben die nur Erfahrungen mit Tagebauen.

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