Der Tagesspiegel : Etikettenschwindel

Stahnsdorfer Firma soll überlagertes Fleisch verkauft haben

Falko Müller

Stahnsdorf. Eine Firma aus Stahnsdorf bei Potsdam vertreibt offensichtlich seit mehreren Jahren überlagertes Fleisch in Berlin und Brandenburg. Bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion an 46 Orten in der Hauptstadt und elf in Brandenburg wurden mehrere hundert Kilo Fleisch sichergestellt. „Wir ermitteln zunächst wegen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz“, sagte Toralf Reinhardt, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Eberswalde. Außerdem soll gegen den 42-jährigen Geschäftsführer und einen 33-jährigen Filialleiter der Firma wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Verstoßes gegen die Etikettierungsverordnung ermittelt werden. Da die mutmaßlichen Taten keine Verbrechen, sondern nur Vergehen seien, kommen die Beschuldigten nicht in Untersuchungshaft; die Firma arbeitet weiter. Das Unternehmen ist ein so genannter Zwischenlogistiker: Laut Polizei versieht es Fleisch und Fleischprodukte mit Haltbarkeitsdaten und vertreibt sie dann weiter – beispielsweise an Hotels, Seniorenheime, Krankenhäuser, Kitas und einen Party-Service.

Das LKA verdächtigt die Beschuldigten, größere Mengen Fleisch gekauft zu haben, diese dann noch einmal tiefgefroren und vor dem späteren Verkauf neu etikettiert zu haben. Teilweise sei Fleisch sichergestellt worden, dessen ursprüngliches Haltbarkeitsdatum bereits in den Jahren 2001 und 2002 abgelaufen ist. „Mit Sicherheit wurden falsch etikettiertes Fleisch oder Wurst auch verspeist.“ Nach bisherigem Ermittlungsstand sei aber niemand zu Schaden gekommen. Die Polizei kam dem groß angelegten Etikettenschwindel durch einen Tipp aus dem Umfeld ehemaliger Mitarbeiter auf die Schliche. Ein Zeuge, der Ende der neunziger Jahre bei der Firma angestellt wurde, sagte nach Polizeiangaben aus, dass die Fälschungen bereits damals gang und gäbe gewesen seien. Er habe auch selbst daran teilgenommen.

Ein Mitarbeiter der Firma bezeichnete die Vorwürfe gestern als „reinen Rufmord“ und sagte, ein rachsüchtiger ehemaliger Mitarbeiter habe die Polizei informiert. Der Belastungszeuge aus dem Unternehmen sei allerdings nicht der einzige, sagte LKA-Sprecher Reinhardt dazu.

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