EU-Richtlinie : Einheitsgrößen für Lebensmittel gelten nicht mehr

Im Supermarkt muss man künftig noch ein bisschen genauer hinschauen. Wegen einer neuen EU-Richtlinie entfallen die vorgegebenen Füllmengen etwa für Bier, Milch, Mineralwasser oder auch Schokolade. Verbraucherschützer warnen vor Mogelpackungen.

BerlinWeil seit Samstag die meisten Produkte in fast jeder Packungsgröße verkauft werden dürfen, sollten Verbraucher ihren Blick öfter auf die meist nur klein gedruckte Angabe des Preises pro Kilogramm oder Liter richten. So lassen sich Waren in unterschiedlich großen Packungen vergleichen.

Wegen einer EU-Richtlinie entfallen die bislang vorgegebenen Füllmengen etwa für Bier, Milch, Limonade, Mineralwasser, Zucker, Schokolade oder Kakao. Nur Wein und Spirituosen sind ausgenommen. Die Freigabe der Packungsgrößen eröffne den Herstellern "Spielraum für Innovationen und Ideen", hatte das Bundeswirtschaftsministerium erklärt. So gibt es künftig mehr Möglichkeiten etwa für Singles, auch kleine Packungen zu kaufen.

Verteckte Preiserhöhungen befürchtet

Verbraucherschützer warnen vor Mogelpackungen. Ihnen werde mit der neuen Regelung Tür und Tor geöffnet, sagte Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Feste Verpackungsgrößen schützten die Kunden bisher vor Fehlkäufen, Hersteller könnten die neuen Regeln für versteckte Preiserhöhungen nutzen.

Die Lebensmittelwirtschaft versicherte dagegen, es gehe nicht um Preiserhöhungen. Die Grundpreisangabe, also der Preis pro Kilo oder pro Liter, lasse keinen Zweifel daran, "was ein Erzeugnis kostet, unabhängig von der Menge, die im Einzelfalle angeboten wird. Hinzu kommt, dass das Verbot, Mogelpackungen in den Verkehr zu bringen, unverändert bestehen bleibt", hieß es beim Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde/BLL) am Samstag.

Aufwendige Umstellung

Die Bundesregierung forderte von der Wirtschaft klare Angaben auf Lebensmitteln. "Für uns ist die richtige Kennzeichnung wichtig", hieß es im Verbraucherministerium. "Verpackungen, die die Verbraucher irreführen, sind weiter verboten."

Die neuen Verpackungsgrößen werden allerdings erst nach und nach in den Regalen auftauchen. Solche Umstellungen seien aufwendig und teuer, sagte Winfried Batzke, der Geschäftsführer des Deutschen Verpackungsinstitutes, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ulrike Hörchens vom Einzelhandelsverband HDE erwartet zunächst nur einzelne Marketing-Aktionen: "Zum Beispiel kann bei einer Tafel Schokolade jetzt 20 oder 30 Prozent mehr drin sein." Künftig könnten die Händler durch die neuen Regeln aber besser auf die Bedürfnisse bestimmter Kunden wie Singles oder älteren Menschen eingehen. "Mit kleineren Größen können die einfach mehr anfangen, die normalen Packungen sind für sie meist zu groß", sagt Hörchens. (smz/dpa)