Euro-Boom und Ölpreis-Hoch : Bangen um die Konjunktur

Vor wenigen Jahren galt es als das Horror-Szenario der Konjunkturforscher schlechthin: Der Ölpreis knackt die Marke von 90 Dollar und der Euro setzt auch nach dem Überwinden der Marke von 1,40 US-Dollar seinen Höhenflug ungebremst fort. Jetzt scheinen die schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden.

Rochus Görgen
Diesel Spritpreise
Rekordhoch: Die Diesel-Preise sind im Verlauf des Ölpreis-Hochs schon in die Höhe geschnellt. -Foto: ddp

Frankfurt/MainBeides trifft die deutsche Konjunktur der Theorie nach hart: Exporte in den Dollar-Raum werden erschwert, und Importe von Energie oder chemischen Vorprodukten verteuern sich. Doch Volkswirte sehen die Situation heute differenzierter: Zwar belasten die Rohstoff- und Währungs-Entwicklungen die deutsche Wirtschaft, eine Katastrophenstimmung ist aber dank der boomenden Weltkonjunktur und der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen weit und breit nicht zu spüren.

Eines der wichtigsten Argumente für eine weiterhin robuste Konjunktur in Deutschland ist die Änderung der Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre. Die USA sind zwar für die deutschen Automobilhersteller oder Maschinenbauer weiterhin ein wichtiger Markt, und Hersteller aus den USA stehen in Konkurrenz zu deutschen Firmen - allerdings haben asiatische Länder wie China und Indien an Bedeutung gewonnen. Und auch die rohstoffexportierenden Länder kaufen vermehrt Produkte "Made in Germany". Der Volkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Olaf Wortmann, spricht von Sondereffekten. "Wir würden lautere Klagen hören, wenn die Auslastung und Nachfrage nicht so hoch wären."

Auch der seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent gestiegene Ölpreis scheint für viele Unternehmen verkraftbar. Denn zum Teil kompensiert der starke Euro den in US-Dollar notierten Preisanstieg beim Rohöl. Und die Effizienz der Rohstoffnutzung hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, so dass zum Beispiel für dasselbe Produkt heute weniger Energie notwendig ist. So geht die Commerzbank in einer aktuellen Studie davon aus, dass ein weiterer Ölpreis-Anstieg zwar zu einem "Nachfrageschock" führen könne - dieser werde dann aber durch neue Technik zu Einsparungen und langfristig wieder niedrigeren Ölpreisen führen.

kein Vergleich mit dem Ölpreisschocks der siebziger Jahre

"Die Situation ist mit den Ölpreisschocks der 70er Jahre nicht zu vergleichen", sagt der Eurozonen-Volkswirt der Deutschen Bank, Markus Heider. Damals habe ein knappes Angebot den Ölpreis getrieben, heute dagegen seien die fundamentalen Ursachen im weltweit hohen Wirtschaftswachstum zu finden - und das wirkt sich wiederum positiv auf die deutsche Wirtschaft aus.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem gerade vorgelegten Herbstgutachten für das kommende Jahr nur mit einer vorübergehenden Pause im Aufschwung. Für 2008 erwarten sie ein Plus von 2,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt nach 2,6 Prozent in diesem Jahr. Doch auch die Konjunkturforscher haben ein Szenario vorgelegt, das einen weiter stark steigenden Euro und Ölpreis vorsieht. Dann ist nur noch mit einem Wachstum von unter einem Prozent zu rechnen - wobei diese Variante allerdings nicht als wahrscheinlich gilt.

100 Dollar pro Barrel für Öl möglich

Daher wird nun vieles von der weiteren Entwicklung der Ölpreise und Wechselkurse abhängen. Einen weiteren Anstieg des Ölpreises auf über 100 Dollar hält mancher Experte für möglich. Allerdings sehen viele einen Grund des starken Anstiegs auch in der Spekulation und nicht nur in den fundamentalen Daten wie Verbrauch und Produktion. So haben vor allem Hedge-Fonds Milliarden-Beträge in Rohstoffe investiert - und eine solche Spekulationsblase könnte schnell wieder platzen. Allerdings: "Es ist sehr schwer, Ölpreise vorherzusagen", sagt Volkswirt Heider. Die Prognosefehler seien in den vergangenen Jahren extrem hoch gewesen.

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter jedenfalls geht von einem weiteren Anstieg aus. "Nach meiner Einschätzung werden wir mit Sicherheit die 100-Dollar-je-Fass-Grenze überschreiten", sagte er dem Radiosender NDR Info. Das liege auch daran, dass der Dollar wohl noch schwächer werde. Einen deutlichen Rückgang des Eurokurses halten viele Experten auf jeden Fall für wenig wahrscheinlich: Die Gemeinschaftswährung hat schließlich inzwischen eine wichtige Rolle in der Welt. Die Stabilität der harten Währung und unveränderte Leitzinsen bei 4,0 Prozent machen den Euro attraktiv - zumindest solange die Wirtschaft in der Eurozone nicht in die Rezession abrutscht. (mit dpa)