"Europäische Kulturnation" : Deutschlands kulturelle EU-Bilanz

Kulturstaatsminister Bernd Neumann wollte in der nun zu Ende gehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft auch die kulturellen Sterne seines Landes leuchten lassen.

Bernd Neumann
Bernd Neumann: Die Touristen spielen auch für die Kultur keine unbedeutende Rolle. -Foto: ddp

BerlinZum Abschluss der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erinnerte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) daran, dass Deutschland bei allem Hick-Hack um eine neue politische EU-Verfassung auch als eine "große europäische Kulturnation" auftreten solle. Nach sechs Monaten zeigte er sich zufrieden und zog eine positive Bilanz. "Eine neue Landkarte Europas ist in Zeiten des GPS nicht mehr vonnöten. Aber die Orientierungshilfe der Kultur brauchen wir für den künftigen Kurs allemal."

Dabei musste Neumann auch ein Wechselbad zwischen Lust und Last auf sich nehmen. Da gab es einen "europäischen Kulturgipfel" der EU-Minister während der Berlinale und die spektakulären Kunstevents wie die große Ausstellung "Europa und die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts" in Brüssel, von manchen Beobachtern als "einsamer Höhepunkt der deutschen Kulturarbeit in der belgischen Hauptstadt" gewürdigt. Da gab es aber auch ein großes Medienseminar in Leipzig und die nüchternen Verhandlungen um eine "audiovisuelle Mediendienstrichtlinie" und neue EU-Fernsehrichtlinie, die Neumann emsig vorantrieb, auch wenn das Ergebnis in Deutschland nicht auf einhellige Zustimmung stieß.

Kulturstätten sollen magnetische Wirkung auf Touristen haben

Für Neumann ging es dabei vor allem um Jugendschutz und den Schutz der Menschenwürde sowie "kulturellen Reichtum" oder Meinungs- und Informationsvielfalt. Vor allem aber lag und liegt Neumann eines am Herzen: "Unsere fabelhaften Kunstschätze und Kulturstätten müssen noch mehr als bisher eine magnetische Wirkung auf Touristen aus aller Welt haben." Das gilt nicht nur für die Museumsinsel in der Hauptstadt, die der Bund mit Milliardenaufwand saniert, als Weltkulturerbe auch zur Freude der Unesco. Das gilt aber sicherlich auch für das Dresdner Elbtal, das ausgerechnet während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wegen des geplanten Baus der Waldschlösschenbrücke der Unesco und auch Neumann einigen Kummer bereitete.

Da war auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) involviert. Der für die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands zuständige Minister zeigte sich gerade während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft als besonders engagierter Kulturpolitiker, was er auch schon vorher mit seinem Einsatz für das Goethe-Institut zu erkennen gegeben hatte. Europa brauche auch dringend "den Blick von außen" und die Beteiligung der Künstler am internationalen Dialog, betonte Steinmeier in der Berliner Akademie der Künste und fügte hinzu: "An die Künstler und die Schriftsteller richte ich nochmals die Bitte: Lassen Sie uns Politiker, vor allem aber die Bürgerinnen und Bürger nicht allein!" Wichtig bleibe auch für die Europäer eine "Neugier auf andere Lebensweisen". (mit dpa)