Der Tagesspiegel : Eurospeedway: Europa-Premiere: Mit Tempo 370 über den Lausitzring

Hartmut Moheit

Das Brüllen der Rennmotoren klingt in den Ohren von Hans-Jörg Fischer wie Musik. Der 35-Jährige muss nicht erst aus dem Fenster seines Arbeitszimmer schauen, um feststellen zu können: "Es brummt mächtig auf dem Eurospeedway in der Lausitz." Vom April bis zum Oktober vergeht nicht ein Tag, an dem dort keine schnellen Runden gedreht werden.

Letztlich sind alle zufrieden: der Eurospeedway-Geschäftsführer Fischer über die Einnahmen, seine Vertragspartner über das Plus in der Kasse und die Möchtegern-Stars über ein besonderes Erlebnis. "Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass es gleich im ersten Jahr so gut läuft", sagt Fischer. Dabei schaut er stolz in Richtung Rennpiste, auf der gerade wieder ein Pulk auf der Start-Ziel-Geraden vorbeirast. Als hätte es die negativen Schlagzeilen seit der Eröffnung im vergangenen Jahr nicht gegeben. Natürlich versteht auch Fischer, dass jeder wissen möchte, was mit den 241 Millionen Mark an Fördermitteln passiert. Und dass die ursprünglich von ihm genannte Gesamt-Investition von 310 Millionen Mark sich auf rund 360 Millionen erhöht hat, beunruhigt ihn nicht: "Das sind doch alles Investitionen in die Zukunft. Auch der 70 Jahre alte Nürburgring hat nicht sofort schwarze Zahlen geschrieben. Wir wollen das in zwei Jahren schaffen. Gemeinsam mit der Deutschen Entertainment AG, einem tollen Partner."

Als Vorbild sieht Fischer die einst strukturschwache Region in der Eifel, die heute mit dem Nürburgring ihr gutes Auskommen hat. Gastronomie und Beherbergung beginnen sich in der Lausitz eben erst, den Erfordernissen anzupassen. Es werden immer mehr Anbieter, aber dennoch sucht man rund um den Eurospeedway vergebens nach Hinweisen, wo noch eine Übernachtung für Mitte September zu haben ist. Mit den German 500, dem ersten Rennen der US-amerikanischen Champcar-Serie in Europa, erlebt die Lausitz erstmals Motorsport der höchsten Kategorie.

"Unser Problem ist auch", sagt Fischer und nennt als Vergleich die legendäre Nordschleife am Nürburgring, "das wir keine Geschichte haben." Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat Vorbehalte, dass der Eurospeedway wegen der noch unzureichenden Verkehrstruktur zu einem neuen Silverstone oder Magny-Cours werden könnte, die Motorrad-WM-Verantwortlichen diskutieren noch grundsätzlich über einen zweiten Grand Prix und eine weitere US-Rennserie wie Nascar wird sich zunächst nur im Rahmenprogramm der German 500 präsentieren. Wenn diese Rennserien erst einmal alle in der Lausitz vereint sind ...

Das ist eine Vision von Hans-Jörg Fischer, der sich noch gut an seine Verhandlungen mit dem Cart-Vorstand vor zwei Jahren in Miami erinnert. "Wir begegneten Skepsis und haben alle überzeugt", erzählt er von damals, als er das Zwei-Meilen-Oval der Lausitz präsentierte. Solche Strecken gibt es sonst nur noch in Texas, Michigan und Fontana. Bei dem Rennen am 15. September werden die Zuschauer nun in einer 155-Runden-Jagd Geschwindigkeiten über 370 Stundenkilometer geboten bekommen, dazu viele Überholmanöver und ein Fest für die ganze Familie.

Hans-Jörg Fischer sieht momentan noch eine bewusste Zurückhaltung der US-amerikanischen Sponsoren in Europa: "Sie wollen erst einmal sehen, wie diese Premiere rüberkommt." Von der Champcar-Premiere hängt aus seiner Sicht vieles ab, "aber längst nicht alles".

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