Experiment : Forscher beleben 2000-jährige Dattel wieder

Vor 2000 Jahren war er ein normaler Dattelsamen, jetzt brachten Forscher ihn zum Keimen - damit gelang ihnen eine Sensation. Die in der Antike als Symbol der Unsterblichkeit verehrte Pflanze könnte neue Heilmittel beherbergen.

Dattel
Dattel aus Herodes-Festung. Der 2000 Jahre alte Samen keimt; hier mit siebeneinhalb Monaten zu sehen. -Foto: Guy Eisner/Science (Science)

BotanikEr existierte schon zu Zeiten des Herodes. Aus dem Samen, den israelische Forscher in einem Palast des Königs von Judäa, der selbst im Neuen Testament erwähnt ist, fanden, ist inzwischen eine beinahe stattliche 1,20 Meter hohe Dattelpalme geworden. Die Forscher präsentierten Methusalem, benannt nach dem ältesten biblischen Menschen, am Freitag im dem amerikanischen Wissenschaftsjournal "Science", da es der älteste Samen sei, aus dem eine Pflanze gezogen werden konnte.

Bereits vor rund 26 Monaten, am 19. Januar 2005, dem jüdischen "Neujahr der Bäume" pflanzte das Forscherteam drei Dattelsamen ein, die in den 1960er Jahren in einer herodischen Wüstenfestung bei Masada gefunden worden waren. Nach Angaben der Forschungsleiterin Sarah Sallon war langes Betteln nötig, um die Archäologen zur Herausgabe von zumindest einigen Samen zu überzeugen. Alle drei wurden bei Zimmertemperatur aufbewahrt, doch nur einer, Methusalem, begann zu keimen. Die Pflanze ist nach Angaben der Projektleiterin gesund, auch wenn einige Blätter kleine weiße Pünktchen aufweisen. Das Alter der Samen wurde von Experten der Züricher Universität mit der sogenannten Radiokarbonmethode bestimmt und auf rund 2000 Jahre eingeschätzt. Damit schlägt die Dattelpalme den bisherigen Rekord eines 1300 Jahre alten gekeimten Lotussamens um mehrere Jahrhunderte.

Datteln galten als Heilpflanzen

Die judäischen Dattelpalmen sind auch als "Baum des Lebens" bekannt und bevölkerten zur Geburtsstunde Methusalems in dichten Wäldern den Jordan-Fluss. Nur etwa die Hälfte der Gene stimmen mit dem Genom unserer heutigen Dattelpalmen überein. Bis man aber weiß, ob Methusalem vielleicht die Urmutter einer neuen alten Dattelpalmenart wird, müssen sich die Forscher noch mindestens zwei Jahre gedulden. Erst dann kann festgestellt werden, ob die Dattelpalme männlich oder weiblich ist und als Letzteres Früchte tragen wird.

Sollte das der Fall sein, könnten die Forscher versuchen, die uralte Art weiter zu vermehren. Ein weiteres Anliegen des Forschungsteams: Methusalem soll auf Heilkräfte geprüft werden. In der Antike wurden judäische Dattelpalmen häufig gegen Tuberkulose, Infektionen und Tumore eingesetzt. In jener Zeit galt die Pflanze auch als Symbol der Unsterblichkeit und war daher eine beliebte Beigabe in den Pharaonengräbern. Die Wiederauferstehung Methusalems könnte diesem alten Glauben neues Leben einhauchen. (jg/dpa)