Der Tagesspiegel : Experten: Kein Abitur mehr an Gesamtschulen

Wegen Schülermangels können bald nur noch Gymnasien elfte Klassen füllen Kommission empfiehlt drei Modelle für die geplante Sekundarschule

Susanne Vieth-Entus

Das Abitur an Gesamtschulen wird zum Auslaufmodell. Weil es zu wenig Schüler gibt, werden bald nur noch wenige Gesamtschulen elfte Klassen einrichten und ihre Oberstufe „retten“ können. Zum Abitur führen dann fast überall im Land nur noch die Gymnasien. So lautet die Prognose der von SPD und CDU beauftragten Schulstandortkommission. Sie empfiehlt außerdem die Verschmelzung der zehnklassigen Gesamt- und Realschulen zu einer neuen Schulform, der Sekundarschule. Der Bericht der Bildungsexperten liegt den heute beginnenden Koalitionsverhandlungen zugrunde.

Nach Informationen des Tagesspiegels rät die Kommission davon ab, die gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen zu einem bestimmten Stichtag aufzulösen. Die demographische Entwicklung werde aber dazu führen, dass die Mehrzahl dieser Schulen ab 2007/08 nicht mehr genügend Schüler haben wird, um elfte Klassen zu bilden. Bislang führen rund 40 der 200 Gesamtschulen zum Abitur.

Sobald eine Gesamtschule keine elfte Klasse mehr bilden kann, soll sie in eine „Schule mit zwei Bildungsgängen“ umgewandelt werden. So nennt die Kommission die neue Schulform, die aus der Verschmelzung von Gesamt- und Realschulen entsteht und möglichst schon im kommenden Schuljahr eingeführt werden soll. Auf einen Namen wollte sich die Kommission nicht festlegen, allerdings benutzt Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) schon seit zwei Jahren den Begriff „Sekundarschule“, weil sie auf der „Primarschule“ aufbaut.

Die Experten votieren dafür, die neue Schulform möglichst schnell zu einem gesetzlich festgelegten Stichtag einzuführen, um langwierige kommunale Abstimmungsprozesse zu verhindern. Die Gesamtschulen, die dann noch elfte Klassen haben, bleiben bestehen. Die Kommunen sollen bei der Organisation der Sekundarschulen keine entscheidende Rolle spielen. Es soll den Lehrern überlassen bleiben, wie sie der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Schüler Rechnung tragen wollen.

Zur Auswahl stehen drei Modelle :

Beim kooperativen Modell gibt es Parallelklassen mit zwei unterschiedlichen Bildungsgängen. Der eine führt zur erweiterten Berufsbildungsreife (Hauptschulabschluss), der andere zur Fachoberschulreife (Realschulabschluss). Wer den letztgenannten Bildungsgang erfolgreich abschließt, kann die gymnasiale Oberstufe besuchen.

Beim integrativen Modell werden alle Schüler zusammen unterrichtet. In Mathematik und der ersten Fremdsprache sollen sie ab Klasse 7, in Deutsch, Physik und Chemie ab Klasse 9 je nach Leistung unterschiedliche Kurse besuchen.

Eine Mischform sieht vor, dass in Klasse 7 und 8 alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden außer in Mathematik und Englisch. In Klasse 9 und 10 werden sie aufgeteilt in die Bildungsgänge „erweiterte Berufsbildungsreife“ oder „Fachoberschulreife“. Je nach Leistung und Elternwunsch werden sie auf den einen oder anderen Bildungsgang verteilt.

Zunächst sollen alle Schulen das integrative Modell anwenden, nach frühestens einem halben Jahr ist eine andere Entscheidung möglich. In dieser Übergangszeit müssen vor allem Kriterien entwickelt werden, nach denen die Siebtklässler dem einen oder anderen Bildungsgang zugeordnet werden können.

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