Export : China überholt Deutschland bereits 2008

Deutschland muss wohl bereits im nächsten Jahr seinen Titel als Exportweltmeister an China abgeben. Nach einer Umfrage der DIHK ist das schwächelnde Wirtschaftswachstum schuld an dieser Niederlage.

BerlinChina wird den langjährigen Exportweltmeister Deutschland bereits im kommenden Jahr vom Thron stoßen. Die deutschen Ausfuhren wachsen zwar auch dieses und nächstes Jahr weiter, allerdings viel schwächer als die chinesischen, wie eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergab. Der Verband befragte die deutschen Außenhandelskammern und deutsche Wirtschaftsvertreter in mehr als 80 Ländern. Nach ihrer Einschätzung steigen die deutschen Exporte in diesem Jahr voraussichtlich um acht, im kommenden Jahr um neun Prozent. Im Boomland China aber werden die Ausfuhren demnach pro Jahr um 20 Prozent zunehmen.

Deutschland auf Augenhöhe mit Welthandel

Der Hauptgrund für den schwächeren Anstieg der Exporte in diesem Jahr ist der Umfrage zufolge das sich abschwächende Weltwirtschaftswachstum. Es wird nach 5,4 Prozent im vergangenen Jahr in diesem wohl nur um 4,5 Prozent steigen, so die Einschätzung. 2008 aber werde es wieder anziehen. Die deutschen Ausfuhren wüchsen aber anders als in den vergangenen Jahren nur noch im gleichen Tempo wie der Welthandel.

Zusätzliche Marktanteile gewinnt die deutsche Exportwirtschaft der Umfrage zufolge nicht mehr hinzu. Der DIHK nennt dafür drei Gründe: Der starke Euro erschwert die Ausfuhren - die Exporte in die USA etwa gingen in den ersten drei Monaten des Jahres um fünf Prozent zurück. Die in den vergangenen Monaten ausgehandelten Lohnerhöhungen machen den bisherigen Wettbewerbsvorteil deutscher Unternehmen gegenüber vielen europäischen Nachbarländern zunichte. Und die Nachfrage aus dem Ausland konkurriert mit der wegen des Aufschwungs steigenden Nachfrage aus dem Inland.

China top bei Elektrotechnik und Textilien

In China dagegen bleibt das Exportwachstum auf hohem Niveau. Die Volksrepublik dominiert bereits jetzt die Weltmärkte bei der Ausfuhr von elektronischen Erzeugnissen, Textilien und Elektrotechnik. Exportschlager aus dem Reich der Mitte sind zum Beispiel Haushaltsgeräte wie Wasserkocher, Waffeleisen, Mikrowellenofen sowie elektrische Handwerkzeuge. Allerdings hapert es oft an der Produktsicherheit. In der EU etwa stammen laut Kommission fast die Hälfte aller beanstandeten Verbraucherprodukte aus China, darunter Spielzeuge, Elektrogeräte und Kosmetika. Verbraucherkommissarin Meglana Kuneva mahnte erst am Dienstag bei einem Besuch in Peking schärfere Kontrollen an.

Auch die Importe in China werden laut DIHK-Umfrage in den kommenden beiden Jahren um jeweils 20 Prozent steigen. Davon werde auch Deutschland profitieren, sind die Auslandshandelskammern und deutschen Wirtschaftsvertreter überzeugt. (mit AFP)