Exportwirtschaft : Die besten Kunden der Deutschen

Schwellenländer wie Russland, China und Indien werden für die Exportwirtschaft immer wichtiger.

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Berlin - Aufstrebende Länder in Asien und Osteuropa werden für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. In den Jahren 2000 bis 2007 ging mehr als ein Drittel des deutschen Exportwachstums auf das Konto der Schwellenländer. Der Anteil an Deutschlands Ausfuhren stieg von 18 auf 25 Prozent. Dies geht aus einer Studie hervor, die das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Auch in den kommenden Jahren werden die aufstrebenden Länder das Wachstum der Exportwirtschaft stützen, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Vor allem die Hersteller von Maschinen, Anlagen und Nutzfahrzeugen würden davon profitieren.

Länder wie Russland und China gehören zu den am stärksten wachsenden Märkten für deutsche Produkte. Die Bedeutung Chinas stieg während der Krise nochmals deutlich auf 36 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt. Weil zudem das gesamte Exportvolumen angesichts der Krise 2009 deutlich gesunken ist, sei damit der China-Anteil am Außenhandel binnen einen Jahres von 3,5 auf 4,5 Prozent gestiegen.

Eine bislang unveröffentlichte DIHK- Umfrage zeigt, wie stark die deutsche Industrie auf China setzt. Neben den deutlich wachsenden Exporten planen die Unternehmen auch verstärkt Investitionen in der Volksrepublik. Von knapp 4000 befragten Industrieunternehmen, die 2010 Auslandsinvestitionen planen, wollen das 37 Prozent in China tun. Kein anderes Land zieht so viele Investitionen aus Deutschland an. 2009 lag dieser Wert noch bei 32 Prozent. Anders als früher geht es nicht mehr vor allem um billige Fertigung. Acht von zehn investierenden Firmen wollen China als Absatzmarkt erschließen und mit Verkaufsstellen und Serviceangeboten überziehen.

Die großen Schwellenländer Brasilien, Indien, China und Russland kommen mittlerweile zusammen auf einen Anteil von 8,6 Prozent am Export – das ist mehr als die Ausfuhren in die USA, die nur noch 6,7 Prozent ausmachen. Zwar ist der Export auch in diese Länder laut IW in der Krise zurückgegangen – aber nicht so stark wie die Ausfuhr in Industrieländer.

Hintergrund der IW-Studie ist Kritik einiger Ökonomen und Gewerkschaften an der wachsenden deutschen Exportorientierung der vergangenen Jahre. Sie befürchten, dass die Bundesrepublik zu abhängig vom Weltmarkt ist, zulasten anderer Staaten wächst und im Ergebnis Ungleichgewichte die globale Wirtschaft erneut belasten könnten. Daher müsse die Binnennachfrage hierzulande gestärkt werden, argumentieren sie.

„Das deutsche Exportmodell hat nicht ausgedient“, urteilte indes IW-Chef Hüther. Die Zahl der Arbeitsplätze, die direkt von der Ausfuhrwirtschaft abhängen, sei von 5,6 Millionen im Jahr 1995 auf 8,9 Millionen im Jahr 2006 gestiegen. Vieles spreche dafür, dass sich die meisten aufstrebenden Länder schneller und nachhaltiger erholten als die Industrieländer. So seien die Banken dort gesünder, hinzu kämen neues Kapital vom Ausland, steigende Devisenreserven und wieder anziehende Rohstoffpreise. mit doh/HB