EXPRESSIONISMUS-DOPPELEmil Nolde : Farbglühend, lebensfreudig

Jens HinrichsenD
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Es wird ein Nolde-Sommer in Berlin: Gerade eröffnete die Berliner Dependance der Stiftung Seebüll mit über 100 aus insgesamt gut 1300 „Ungemalten Bildern“. Den Nazis galt Emil Noldes farbglühender Expressionismus als „entartet“. „Die Pinsel glitten mir aus den Händen“, so empfand es der 1941 schon über 70-jährige Künstler, der das Malverbot umging und die kleinformatigen Blätter versteckte. Überraschend fantasiefreudig wirken die Aquarelle, trotz der schweren Zeit.

Zu den Glanzstücken der Sammlung Horn, die bis zum 13. September im Brücke-Museum zu sehen ist, zählen Noldes Gouachen von Südseeinsulanern, die das zeitweilige Mitglied der Expressionistengruppe „Die Brücke“ 1914 von einer Expedition nach Neuguinea mitbrachte. Wie auch Kirchner oder Heckel war Nolde von der Vorstellung einer Einheit des Menschen mit der Natur fasziniert – also dürfen weitere Südsee-Arbeiten in der umfassenden Schau „Mensch – Natur – Mythos“ im Kupferstichkabinett keinesfalls fehlen. Neben Aquarellen sind hier vor allem Druckgrafiken aus der exponatreichen NoldeSammlung des Museums zu sehen. Der 1956 verstorbene Farbenmagier war auch ein exzellenter Grafiker. Ins rechte Licht gerückt werden nun Porträts, Stadt- und Landschaftspanoramen sowie biblische Themen in den Techniken Lithografie, Radierung und Holzschnitt. Im Abschnitt „Lebensfreude“ finden sich Bilder, in denen Nolde sein Ziel, den Menschen in seinen Gegensätzlichkeiten festzuhalten, idealtypisch erreicht hat. Jens Hinrichsen

Kupferstichkabinett: Fr 3.7. bis So 25.10., Di-Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr, 8/4 €, Nolde-Stiftung Dependance Berlin, bis So 17.1., Mo-So 10-19 Uhr, 10/5 €

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