Extremismus : Koffer voller Argumente

Unternehmer und Gewerkschafter starten eine gemeinsame Aktion gegen Rechtsextremismus. Bei der Initiative "Handeln statt wegsehen“ spielt ein Koffer eine besondere Rolle.

Claus-Dieter Steyer

Oranienburg - Es kommt nicht alle Tage vor, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam einen Koffer packen und damit stolz vor die Öffentlichkeit treten. Doch bei einem Thema vergessen die jeweiligen Interessenvertretungen alle Streitigkeiten um Lohnerhöhung und Arbeitszeiten. Beim Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus gibt es künftig einen engen Schulterschluss. Den Anfang machten am Dienstag der Handelsverband Berlin-Brandenburg, der neben vielen kleinen Betrieben auch große Firmen wie Karstadt, Rewe und Metro vertritt, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Berlin und der DGB in Berlin-Brandenburg. In der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg stellten sie ihre gemeinsame Initiative „Handeln statt wegsehen“ vor, bei der ein Koffer eine besondere Rolle spielt.

„Er steckt voller Materialien und Hintergrundinformationen über den Rechtsextremismus“, sagte Roland Tremper, Geschäftsführer von Verdi in Berlin. Der Inhalt des Koffers, darunter eine DVD und die Broschüre „Versteckspiel“ über Symbole rechtsextremer Gruppierungen, sei für die Auseinandersetzung mit dem Alltagsrassismus in Unternehmen und Berufsschulen bestimmt. Außerdem vermittle die Initiative Referenten und die Teilnahme an Workshops.

Bislang wurden rund 2000 Pappkartons gefertigt. Bei Bedarf kann die Zahl dieser Info-Boxen rasch erhöht werden, versicherten die Initiatoren. Die Abgabe erfolgt gratis. Finanziert wird die Aktion vom rund 2000 Mitglieder starken Handelsverband und den Gewerkschaften. Die Produktionskosten pro Koffer schlagen mit etwa zehn Euro zu Buche.

„Ich hoffe, dass sich dieser ersten überregionalen Aktion möglichst viele andere Wirtschaftsverbände anschließen“, sagte die Präsidentin des Handelsverbandes Karin Genrich aus Potsdam. „Wir stehen im Dienst von Kunden aus aller Welt und dulden daher keine rassistische oder extremistische Schmiererei, Bekleidung, Musik oder Parole.“

Kunden und Mitarbeiter werden in Unternehmen nun auf ein gelbes Plakat mit schwarzer Schrift stoßen. „Wir haben den Kodex unserer Initiative in Form eines Ortseingangsschildes entworfen, um sofort unseren Standpunkt zu signalisieren“, erklärte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes. In dem Kodex heißt es, „wir tolerieren keine diskriminierenden Äußerungen oder körperlichen Angriffe, zum Beispiel wegen Hautfarbe, Religion, Nationalität oder sexueller Orientierung“. Clemens Appel, Chef der Brandenburger Staatskanzlei, begrüßte die Aktion. „Zu viele Menschen tragen rechtsextremes Gedankengut in ihren Köpfen“, sagte er, „das gefährdet den Wirtschaftsstandort.“ An der Planung der Initiative war der Tagesspiegel beteiligt. Claus-Dieter Steyer

Weiteres im Internet:

www.handeln-statt-wegsehen.de

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