Der Tagesspiegel : Exzentriker aus Überzeugung Rechtsanwalt Plöger

ist an Krebs gestorben

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Vermutlich gab es in Berlin kaum einen Verteidiger, dem so gemischte Gefühle entgegengebracht wurden wie HannsEkkehard Plöger. Der Mann mit dem Schnauzbart und einer Vorliebe für schrille Krawatten hat oft Schlagzeilen gemacht. Er war es, der im Honecker-Prozess mit Hilfe von Professor Julius Hackethal den Darmkrebs des Angeklagten als Fuchsbandwurm-Infektion darstellte und den Angeklagten selbst als einen Doppelgänger Honeckers. Mit seinem Tod haben Berlins Anwälte einen ihrer exzentrischsten Vertreter verloren: In der Nacht zum Sonnabend ist Hanns-Ekkehard Plöger kurz vor seinem 67. Geburtstag an Prostata-Krebs gestorben.

Sein Spezialgebiet war das Strafrecht. Der gebürtige Berliner vertrat Geschädigte des La- Belle-Anschlags ebenso wie Angehörige von Opfern im Mauerschützenprozess. Seine Plädoyers trug Plöger gelegentlich in Versform vor, er brachte astrologische Psychogramme in die Verhandlung ein, schrieb spöttische Gedichte über Richter und zieh schon mal das Verfassungsgericht der Lüge. Als ein Richter Plöger wegen seiner bunten Schweinchen-Krawatte des Saales verweisen wollte, band sich der Anwalt schnell einen weißen Schlips um, während die Richter noch zur Beratung zusammensaßen – um ihnen nach der Rückkehr höhnisch einen Besuch beim Augenarzt anzuraten.

Auch außerhalb des Gerichts galt Plöger, der im Eigenverlag Gedichte herausgab und in seinem Garten in Lichtenrade rund 90 Hennen und Hähne hielt, als unermüdlich: Er war zeitweise Präsident des Deutschen Motoryachtverbandes, Ehrenpräsident des Berliner Volleyballverbandes, Präsident des Vereins zur Förderung des juristischen Nachwuchses und Rechts, Mitglied des Pegnitzer Blumenordens … „Ich bin ein Macher“, sagte Plöger über Plöger. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. kf

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