EZB : Leitzins wird wohl nicht erhöht

Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Aufwertung des Euros wird die Europäische Zentralbank an ihrer Sitzung am Donnerstag die Zinsen nach Experteneinschätzung vorerst nicht weiter anheben.

Frankfurt am MainDer EZB-Rat wird auf seiner auswärtigen Sitzung an diesem Donnerstag in Wien den Leitzins wohl bei 4,0 Prozent belassen. Viele Volkswirte erwarten bis Jahresende keinen weiteren Schritt mehr, und manche Experten fordern bereits Zinssenkungen.

 Bereits im September hatte die EZB wegen der Unsicherheiten an den Finanzmärkten infolge der US-Hypothekenkrise ihre ursprünglich angekündigte Zinserhöhung fallengelassen. Wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit einhergehenden Inflationsrisiken sind die Währungshüter seit Ende 2005 auf Zinserhöhungskurs. Seit Dezember 2005 verdoppelte die EZB den Zinssatz von 2,0 auf 4,0 Prozent.

Auch für den weiteren Jahresverlauf geht eine Mehrheit der von der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX befragten Experten nicht von einem weiteren Zinsschritt der EZB aus. 25 von 30 Volkswirten sehen den Leitzins auch Ende 2007 bei 4,0 Prozent, während drei Experten eine Zinserhöhung auf 4,25 Prozent und zwei Experten eine Zinssenkung auf 3,75 Prozent prognostizieren. Gegen einen weiteren Zinsschritt sprächen etwas schwächere Wachstumssichten in der Eurozone, der weiterhin schwächelnde US-Immobilienmarkt, Zinssenkungserwartungen in den USA und der starke Euro.

Bewertung von Trichet mit Spannung erwartet

"Der höhere Außenwert des Euro bremst die Exportkonjunktur und ist ein Argument gegen Leitzinserhöhungen", schreibt die DekaBank. Angesichts der anhaltenden Finanzmarktkrise und möglicher Risiken für die Euroraum-Konjunktur dürfte die EZB zu einer abwartenden Haltung tendieren, meinen die Volkswirte der Postbank. Die Commerzbank prognostiziert eine erste Zinssenkung für Ende 2008.

Von besonderem Interesse wird am Donnerstag die Pressekonferenz der Notenbank im Anschluss an die Ratssitzung sein. Mit Spannung wird erwartet, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die aktuelle Lage an den Geld- und Finanzmärkten und die Risiken für die Realwirtschaft beurteilt.

Als Folge der US-Immobilienkrise ist es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Spannungen an den Geldmärkten gekommen. Dabei hat die EZB mehrfach Milliardensummen zusätzlich in den Markt gepumpt. Hintergrund ist, dass die Banken sich wegen des weit verbreiteten Misstrauens untereinander nicht mehr im üblichen Maße Geld leihen und die EZB einspringt. Trichet hatte die Banken mehrfach zu mehr Risikobewusstsein bei riskanten Geschäften aufgefordert. (mit dpa)