Fachkräftemangel : Weise gegen vorzeitige Arbeitsmarktöffnung

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank Weise, ist gegen eine generelle Öffnung des Arbeitsmarktes für osteuropäische Kräfte. Er fürchtet eine Schwemme von "Billig-Jobbern".

BerlinDie Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht Pläne der Bundesregierung äußerst kritisch, wegen Fachkräftemangels vorzeitig den deutschen Arbeitsmarkt für osteuropäische Arbeitnehmer zu öffnen. "Im Hinblick auf die Arbeitslosen, die wir in den Arbeitsagenturen zu betreuen haben, kann ich nur darauf dringen, dass eine Zuwanderung absolut restriktiv erfolgen sollte", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise der "Berliner Zeitung". "Die Arbeitsagenturen sollen die Menschen in Arbeit bringen, und dann stört es mich schon, wenn wir uns gleichzeitig Konkurrenz hereinholen."

Weise sagte zugleich, solche Überlegungen zur Marktöffnung seien "legitim für Problembereiche und Problemgruppen." Wo es wirklichen Mangel gebe, könnten andere Arbeitnehmer aus dem Ausland eingeladen werden. Dies müsse jedoch "sehr kontrolliert" ablaufen. Anderenfalls sei zu befürchten, dass viele wenig ausgebildete Billig-Jobber nach Deutschland kämen. "Und das sind leider auch die Plätze, die erfahrungsgemäß am schnellsten wieder wegrationalisiert würden. Damit wäre niemandem geholfen" sagte der Weise dem Blatt.

Ingenieur-Verband bezweifelt Attraktivität des Standorts

Eine Öffnung der EU-Grenzen würde nach Ansicht des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) den akuten Fachkräftemangel auch nicht lindern. "Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weil andere europäische Länder auch dringend Ingenieure suchen. Wir sind da nicht so attraktiv, wie wir glauben, viele gehen lieber nach England oder Frankreich", sagte der Direktor des VDI, Willi Fuchs, der "Financial Times Deutschland". Auch die Suche in Asien würde wenig helfen, weil diese Länder ebenfalls Bedarf hätten. "Es gilt, Potenziale auszuschöpfen - wie ältere Ingenieure nachzuqualifizieren, mehr Interessenten für das Studium zu gewinnen und den Beruf für Frauen attraktiver zu machen."

Der Staatssekretär im Arbeitsministerium, Gerd Andres, hatte vergangene Woche für eine frühere Lockerung der Arbeitnehmerfreizügigkeit plädiert, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Grenzen sollen bislang frühestens 2009 ganz geöffnet werden. Der Vorstoß war bereits von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zurückgewiesen worden. Auch der designierte SPD-Parteivize sprach sich für eine vorrangige Qualifizierung von Arbeitslosen aus. Die große Koalition will sich Ende August bei ihrer Klausur im brandenburgischen Meseberg mit Maßnahmen gegen den derzeitigen Fachkräftemangel in Deutschland befassen. (mit AFP)