Der Tagesspiegel : Fähre für einen Tag

Beiderseits der Oder feiern Aurith und Urad heute ein deutsch-polnisches Fest

Aurith - Heute wird es endlich wieder eine Fähre geben – für einen Tag. Denn heute wollen die Menschen in Aurith und Urad gemeinsam feiern. Deutsch-polnisches Sommerfest haben sie das Vorhaben genannt und sie sind stolz darauf. Denn zwischen dem Aurith auf der deutschen und Urad auf der polnischen Seite fließt nicht nur die Oder – in den vergangenen 60 Jahren schienen die beiden Orte oft auch Welten voneinander entfernt zu sein.

Bis 1945 verband bereits eine Fähre die rechte mit der linken Oderseite. Dann mussten die Deutschen den östlichen Teil Auriths verlassen. Nach Urad kamen Polen, meist Menschen, die zuvor weit im Osten des Landes gelebt hatten. Da es keine Fähre mehr gab und man mehr als 50 Kilometer fahren musste, um über die Grenzübergänge Guben oder Frankfurt (Oder) von Aurith nach Urad zu kommen, entstanden keine Kontakte.

„Deshalb freuen wir uns, dass wir mit unseren polnischen Nachbarn ein richtig tolles Programm auf die Beine gestellt haben“, sagt Kirstin Seifert von der Bürgerinitiative Ziltendorfer Niederung. So wird es Kinderkarrussels und einen Trödelmarkt geben, Blasmusik und Folkloreprogramme, aber auch ein Beachvolleyballturnier und viele andere deutsch-polnische Wettkämpfe, beispielsweise Schubkarrenrennen und Stiefelweitwurf.

Mehr als 900 Gäste werden erwartet, und Polen und Deutsche wollen mit dem Fest auch gegen Pläne aus Potsdam und Warschau protestieren, hier eine Brücke zu bauen. Die Anwohner befürchten, dass dann schwere Lkw durch die einzigartige und geschützte Naturlandschaft an der Oder donnern würden. Für den sanften und umweltfreundlichen Tourismus, der sich hier entwickelt hat, würde ihrer Ansicht nach eine Fähre völlig reichen.

Die hätte nur einen Nachteil: nachts würde sie nicht fahren. Auch heute ist um 19 Uhr Schluss. Wer also zum abendlichen Tanz nicht auf seiner Seite zurück ist, muss schwimmen. Oder einen langen Umweg in Kauf nehmen. das

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