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Fahndung unter Hochdruck : Entführter Manager: Polizei erwägt Massengentest

Im Fall eines brutal entführten Geschäftsmannes erwägt die Polizei nach Tagesspiegel-Informationen einen Massen-DNA-Test. Unterdessen haben sich die Ermittler zum Ablauf der Geschehnisse nach der Selbstbefreiung geäußert - und der Frage, ob es eine Ermittlungspanne gab.

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Der Tatverdächtige Dachdecker Mario K. verdeckt im Gerichtssaal im November 2014 sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Unsere Fotogalerie zum Fall.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Patrick Pleul/dpa
18.05.2015 08:49Der Tatverdächtige Dachdecker Mario K. verdeckt im Gerichtssaal im November 2014 sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Unsere...

Nach Tagesspiegel-Informationen aus Ermittlerkreisen erwägt die Polizei einen Massengentest, um den brutalen Entführer eines Berliner Geschäftsmannes zu überführen. Die Polizei geht von einem gefährlichen Serientäter aus, der sich in der Gegend bestens auskennt, denn die Waffe, aus der der Mann bei seiner Tat schoss, wurde höchstwahrscheinlich auch im vergangenen Jahr bei den Anschlägen auf die Unternehmerfamilie Pepper verwendet. Bisher unbestätigten Berichten zufolge sollen im Haus des Opfers DNA-Spuren gefunden worden sein, die mit Spuren aus dem Fall Pepper übereinstimmen.

Eine DNA-Reihenuntersuchung würde alle Männer in einem bestimmten Umkreis und im passenden Alter erfassen. Einen Ermittlungserfolg würde sie vor allem deshalb versprechen, weil der Täter eine hohe Ortskenntnis besitzt, es liegt also die Vermutung nahe, dass er aus der Gegend stammt. Dafür spricht auch, dass der Unbekannte möglicherweise eine hochklassige militärische Ausbildung durchlaufen hat - in dem Gebiet rund um den Tatort gab es zu DDR-Zeiten zahlreiche militärische Einrichtungen. Der Täter geht extrem gezielt und gut geplant vor, er verfügt offensichtlich über eine gute Schießausbildung, wie der Anschlag auf die Tochter der Unternehmerfamilie Pepper zeigt, und er orientiert sich mithilfe von GPS-Geräten sehr gut in unwegsamem Gelände.

Unterdessen hat sich die Polizei zum ihrem Vorgehen geäußert, nachdem das Opfer sich hatte befreien und einen Notruf absetzen können. Der Geschäftsmann hatte bei Anwohnern in Wendisch Rietz Zuflucht gesucht, die am Sonntagmorgen um 7 Uhr einen ersten Notruf absetzten. Daraufhin dauerte es 50 Minuten, bis ein Polizist das Haus betrat, dies war aber nach Angaben des Polizeipräsidiums Brandenburg keine Panne, sondern genau so geplant und gewollt.

Ein neuer Blick auf den "Maskenmann-Prozess"
Der Tatverdächtige Dachdecker Mario K. verdeckt im Gerichtssaal im November 2014 sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Unsere Fotogalerie zum Fall.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Patrick Pleul/dpa
18.05.2015 08:49Der Tatverdächtige Dachdecker Mario K. verdeckt im Gerichtssaal im November 2014 sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Unsere...

Sofort nach dem Notruf habe man die Brisanz der Nachricht erkannt und alles Notwendige in die Wege geleitet. Man habe aber nicht direkt zu dem Haus gehen wollen, da es möglich gewesen wäre, dass sich der Täter noch einmal nähert. Angesichts der Skrupellosigkeit des Täters habe man diese Möglichkeit für realistisch gehalten. Deshalb habe man das Objekt zunächst mit verdeckten Ermittlern gesichert, es seien aber die ganze Zeit Einsatzkräfte vor Ort gewesen. In der Zwischenzeit sei auch ein spezieller kriminaltechnischer Schutzanzug zum Einsatzort in Wendisch Rietz gebracht worden. Ihn habe sich das Opfer direkt, nachdem die Einsatzkräfte schließlich am Haus klingelten, anziehen müssen, um etwaige Spuren des Täters, beispielsweise DNA-Anhaftungen, zu sichern.

Bei der Polizei gehen derweil immer mehr Hinweise ein, die Ermittlungen und Durchsuchungen im Gebiet rund um den Tatort laufen auf Hochtouren. Am Mittwochabend wurde in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" über den Fall berichtet, bis zum Donnerstagvormittag sind daraufhin mehr als 30 neue Hinweise eingegangen. Diese würden nun "akribisch abgearbeitet", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam. Eine heiße Spur sei nach ersten Erkenntnissen aber nicht darunter.

Eine konkrete Spur verfolgte die Polizei allerdings schon vor der Sendung, denn es wurde ein Kajak gefunden, das vermutlich vom Täter verwendet wurde. Wie berichtet war der Täter am Freitagabend in das Haus des Investmentunternehmers eingedrungen und hatte den 51-Jährigen auf eine Schilfinsel nahe dem Ort Wendisch Rietz verschleppt. Der Kidnapper wollte ein Lösegeld in Millionenhöhe erpressen. Schließlich gelang dem Opfer Sonntagmorgen die Flucht. Die Familie steht seither an einem geheim gehaltenen Ort unter Polizeischutz.

Hinweise bitte an die Rufnummer 0335 400 70 333 oder Polizeidienststellen.

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