Fall Ermyas M. : Angeblicher Verdächtiger von der Polizei vernommen

Von einem möglichen neuen Tatverdächtigen im Fall des Angriffs auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. war die Rede. Inzwischen wurde der Mann von der Polizei verhört - und wilde Spekulationen lösten sich in Luft auf.

Potsdam - Der Mann sei vernommen worden, ein Anfangsverdacht habe sich aber nicht ergeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Christoph Lange. Der Mann sei Polizist und habe sich freiwillig bei seinem Dienstherrn gemeldet. Damit bestätigte er eine Information der "Bild"-Zeitung. "Nach den bisherigen Erkenntnissen hat er mit der Sache nichts zu tun."

Die Verteidigung hatte am Vortag im Prozess um den Übergriff vom Ostersonntag 2006 überraschend ihr anonym zugespielte Hinweise auf diesen möglichen Verdächtigen präsentiert. Dabei handelt es sich um ein Foto, eine knapp zehnminütige Stimmprobe und die Handynummer des kahlköpfigen Mannes aus Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark).

Urteil voraussichtlich am 20. Juni

Das Urteil wird nun nach Angaben des Potsdamer Landgerichts voraussichtlich erst am 20. Juni gesprochen. Angeklagt sind Björn L., der den dunkelhäutigen Ermyas M. durch einen Faustschlag lebensgefährlich verletzt haben soll, sowie Thomas M. wegen unterlassener Hilfeleistung. Beide bestreiten, am 16. April 2006 am Tatort gewesen zu sein.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wird sich die Stimmengutachterin mit der Tonaufnahme befassen. Diese hat das Wortgefecht zwischen Ermyas M. und den Tätern ausgewertet, das auf der Handy-Mailbox der Ehefrau des Opfers aufgezeichnet worden war. Nach Überzeugung der Anklage ist darauf die Stimme des Hauptbeschuldigten (Spitzname "Pieps") zu hören.

Stimmengutachten wird mit Spannung erwartet

Zeugen hatten jedoch bekundet, dass Björn L. um Ostern 2006 wegen einer Erkrankung eine krächzende Stimme gehabt habe. Nach Einschätzung eines Experten für Stimm- und Sprechstörungen könnte der Beschuldigte dennoch so klar wie die Stimme auf der Mailbox gesprochen haben - allerdings nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 20 Prozent. Das mit Spannung erwartete Stimmengutachten soll nun am nächsten Verhandlungstag am 4. Mai vorgelegt werden. Ursprünglich war für diesen Tag das Urteil vorgesehen.

Die Kammer hat laut Gericht noch sieben Verhandlungstage anberaumt. Ob sämtliche Termine benötigt werden, sei noch nicht absehbar.

(tso/dpa)

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