Fall Litwinenko : Russland stellt Sicherheitskooperation mit London ein

Die russische Reaktion auf die Ausweisung der Diplomaten ließ nicht lange auf sich warten. Moskau wirft London eine Politisierung des Mordfalls Litwinenko vor und kündigte als ersten Schritt die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden.

Moskau Nach der angekündigten Ausweisung von vier russischen Diplomaten aus Großbritannien will Russland seine Zusammenarbeit mit den britischen Sicherheitsbehörden aussetzen. Die Ausweisung der Betroffenen war eine Reaktion Londons auf die Weigerung Moskaus, den im Mordfall Litwinenko verdächtigten Andrej Lugowoi auszuliefern. Eine weitere Zusammenarbeit werde durch die Position Londons erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht, sagte Vizeaußenminister Alexander Gruschko nach Angaben der Agentur Interfax.

Gruschko kündigte weitere "angemessene und gezielte Schritte" als Reaktion auf die britische Ausweisungsverfügung an. Großbritannien versuche, Russland "wegen der Einhaltung seiner Verfassung zu bestrafen", kritisierte der Vizeaußenminister. "Es ist offensichtlich, dass die Sanktionen den Fall Litwinenko politisieren sollen. Das ist keine Einladung zur Zusammenarbeit." Er hoffe, dass die Europäische Union so viel "gesunden Menschenverstand" besitze, sich nicht instrumentalisieren zu lassen.

Moskau hält sich weitere Schritte offen

Mit Blick auf die angekündigte Reaktion Moskaus sagte Gruschko, man werde die Interessen einfacher Bürger berücksichtigen. Nähere Angaben machte er nicht. Großbritannien hatte am Montag eine Änderung der Visa-Bestimmungen angekündigt.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Alexander Litwinenko war im November 2006 in London mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden. Er starb Ende November in einem Londoner Krankenhaus. Lugowoi soll ihn nach Überzeugung der britischen Staatsanwaltschaft vergiftet haben. (mit dpa)