Der Tagesspiegel : Fall Ulrike: 2283 Hinweise - doch keine Spur führt zum Mörder

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Im Fall der ermordeten Ulrike aus Eberswalde gab es am Mittwoch bereits 2283 Hinweise aus der Bevölkerung, aber immer noch keine heiße Spur zum Mörder der 12-Jährigen. Dennoch sollen die Gen-Tests von noch nicht erfassten vorbestraften Gewalttätern aus dem Raum Eberswalde fortgesetzt werden. Seit einigen Tagen nehme die Polizei auf freiwilliger Basis Speicheltests von Männern, die nach Hinweisen verdächtig erschienen, sagte Polizeisprecher Burkhard Heise in Eberswalde. Auch alle anderen Straftäter würden derzeit im Rahmen der erkennungsdienstlichen Behandlung zu Gentests aufgefordert: An vorbestrafte Gewaltverbrecher oder Sexualtäter aus der Region ergehe ein Appell, sich freiwillig zu melden. "Im Fall einer Verweigerung oder eines begründeten Verdachts ist dann eine richterliche Entscheidung über den Test notwendig", erklärte er. Aus der Bevölkerung gehen nach wie vor zahlreiche Hinweise auf verdächtige oder dem Phantombild ähnelnde Personen ein. Diese Männer werden zur Abgabe einer Speichelprobe angesprochen. Bisher sei die Bereitschaft im Raum Eberswalde sehr groß, teilte Sprecherin Marx mit. "Wenn sich der Verdacht nicht bestätigt, werden die Daten sofort wieder gelöscht", sagte Staatsanwalt Christoph Schüler. Zahlen wollte die Sonderkommission allerdings vorerst noch nicht mitteilen.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sprach sich unterdessen gegen eine Datei mit den genetischen Fingerabdrücken aller Männer aus, wie sie in den vergangenen Tagen immer wieder gefordert worden war. "Ich halte nichts von Massen-Gentests, bei denen praktisch alle Männer unter Generalverdacht gestellt werden", sagte der Innenminister der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe). "Das ist verfassungsrechtlich nicht zu machen und auch nicht praktikabel." Es müsse aber geprüft werden, ob künftig beispielsweise "Spanner, Voyeure und Exhibitionisten" in der Datei erfasst werden können. "Denn Kinderschänder fallen häufig mit solchen Delikten auf, ehe sie Gewalt anwenden", sagte Schily.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) bekräftigte daher erneut, dass es sich bei Ulrikes Mörder vermutlich um einen Ersttäter handelt. Der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Professor Rudolf Egg, sprach von einem "ganz normalen Verbrecher". Beim Versuch, Spuren zu verwischen, habe er eine ganze Reihe von Fehlern gemacht. Die bisher bekannten Details würden darauf schließen, dass die Tat nicht vorher geplant gewesen sei. In Expertenkreisen gilt das Abfackeln eines Autos als typische Panikreaktion. "Es ist eine sehr wahrscheinliche Prognose, dass wir es nicht unbedingt mit einem vorbestraften Täter zu haben", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Petra Marx. Mit einer Speichelprobe kann der genetische Fingerabdruck gefertigt werden. Im Fall der ermordeten Schülerin haben die Ermittler den vollständigen genetischen Fingerabdruck des unbekannten Täters. Die 12-jährige Schülerin ist am vergangenen Donnerstag ermordet aufgefunden worden. Ehe sie erwürgt oder erdrosselt wurde, war das Kind sexuell missbraucht worden.

Der Sprecher betonte, Massentests etwa an allen Männer aus dem Raum Eberswalde seien gegenwärtig nicht geplant. Es gebe aber durchaus die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich diesen Untersuchungen zu unterziehen. Die zwölfjährige Ulrike war am 22. Februar 2001 im brandenburgischen Eberswalde auf dem Weg zum Sporttraining entführt, vergewaltigt und ermordet worden. Das Mädchen wurde wahrscheinlich noch am Tag seines Verschwindens ermordet. Nach zweiwöchiger Suche mit über 5000 Beamten wurde ihre Leiche 30 Kilometer entfernt in einem abgelegenen Waldgebiet gefunden. Inzwischen haben die Ermittler einen genetischen Fingerabdruck des Mörders festgestellt. Ein Abgleich mit den beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden und beim brandenburgischen Landeskriminalamt gespeicherten Gen-Sätzen sowie der Spurenvergleich mit noch unaufgeklärten Verbrechen erbrachte nach Angaben der Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Petra Marx, keinen Treffer.

Unterdessen laufen in Eberswalde die Vorbereitungen auf die Beerdigung von Ulrike am Freitag. Die Polizei will die Trauernden aus dem Verwandten- und Freundeskreis abschirmen.

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